Umfrage zur Corona-Warn-App: "Lade sie erst runter, wenn mein Test positiv ist"

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Über den Nutzen die Corona-Warn-App gehen die Meinungen der Lüdenscheider auseinander.

Sie funktioniere nicht richtig, die Meldungen seien nervig und richtig helfen würde sie auch nicht: Mehr als 100 Tage nach dem Start der bundesweiten Corona-Warn-App scheinen die Lüdenscheider nach wie vor nicht überzeugt zu sein.

Lüdenscheid – 18,4-Millionen-mal wurde die App nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) heruntergeladen. In Lüdenscheid sind die Menschen mit einer Corona-Warn-App auf dem Smartphone rar, wie sich bei einer Umfrage in der Innenstadt herausstellte.

Die meisten Lüdenscheider wollen im Gespräch mit der Zeitung anonym bleiben, geben aber dennoch bereitwillig Auskunft. Oft ist die Skepsis gegenüber der App groß. „Durch verkehrte Ergebnisse zu Beginn habe ich die Funktionsfähigkeit der App von vornherein in Frage gestellt“, äußerte sich eine 60-jährige Frau.

Vertrauen in die Corona-Warn-App fehlt 

„Wenn man wirklich das Gefühl hätte, auf die Warnung der App vertrauen zu können, dann würde sie vielleicht mehr Sinn machen.“ Die Bundesregierung verspricht auf ihrer Website, dass Datenschutz und Sicherheit bei Verwendung der App gewährleistet sind. Trotzdem scheinen einige Lüdenscheider den Angaben keinen Glauben zu schenken. 

„Ich bin immer sehr vorsichtig mit dem, was ich preisgebe. Grundsätzlich passe ich aber auch auf mich selbst auf und vermeide Restaurant-Besuche und Reisen“, erklärte eine weitere Frau mittleren Alters. 

Sie fühle sich damit sicher genug und erachte das ergänzende Programm als nicht notwendig. Nur wenn sie selbst in Zukunft positiv getestet werde, würde sie eventuell in Betracht ziehen, sich die Anwendung herunterzuladen und ihr Ergebnis einzutragen.

Löschen nach kurzer Zeit

Ähnlich sehen es Kirsten (50) und Michael (51), die sich zuvor nicht viel mit der Corona-Warn-App auseinander gesetzt haben: „Wir beschäftigen uns insgesamt nicht viel mit Technik. Das machen eher unsere Kinder. Vielleicht kann man sich die App in Zukunft mal anschaffen. Auf jeden Fall, wenn einer von uns positiv sein sollte.“ Alter und Erfahrungen mit digitalen Medien haben Auswirkungen auf das Vertrauen der Nutzer. Eine 26-Jährige hat die App heruntergeladen. Sie zeigt sich im LN-Gespräch zufrieden.

„Obwohl mir bisher keine Risiko-Begegnung angezeigt wurde, halte ich die App für sehr sinnvoll und fühle mich durch die Bestätigung, ein niedriges Infektions-Risiko zu haben, viel sicherer“. Einer Grundschullehrerin, die ebenfalls anonym bleiben wollte, bereiteten gerade die häufigen Meldungen jedoch Sorgen. „Ich hatte nur noch die konstante Angst, was ist, wenn die Benachrichtigung kommt, dass ich eine Kontaktperson bin?“ Daher löschte sie die App wieder. Viele kritisieren auch die Funktionsweise der App. 

Die 24-jährige Chiara löschte sie ebenfalls nach einer kurzen Zeit wieder von ihrem Telefon, da sie von den ständigen Mitteilungen gestört wurde. Via Bluetooth werden etwa vier Mal pro Sekunde die Signale anderer Geräte in der Nähe erfasst und dabei Dauer und Distanz der jeweiligen Begegnung gemessen, wie die Bundesregierung auf ihrer Internetseite informiert. Rückschlüsse auf die Person oder den Standort seien zu keinem Zeitpunkt möglich.

Jüngeren fehlen die Funktionen 

In regelmäßigen Abständen erhalten die Nutzer eine Meldung, ob sie eine entsprechende Risiko-Begegnung hatten oder nicht. Diese Mitteilungen können in den Einstellungen selbst angepasst und auch deaktiviert werden.

Vielen jüngeren Lüdenscheidern fehlt es bei der App an Funktionen und Wirksamkeit. So auch den Schülern Paul (16) und Moritz (16). „Sie funktioniert ja nur richtig, wenn alle sie haben, ansonsten macht sie gar keinen Sinn“, bemängeln beide. Momentan sei sie unnötig, stimmt ihnen ein gleichaltriges Mädchen zu. „Das Prinzip der App ist zu einfach. Es ist ja nur auf einen kurzen Moment beschränkt, obwohl die Dauer des Kontakts und die Nähe ausschlaggebend sind“, kritisiert einer der Jungen. 

Offenbar wissen nur wenige, dass nur Begegnungen, die bestimmte Kriterien des Gesundheitsinstituts RKI erfüllen, überhaupt aufgezeichnet werden.

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