Der Umbau des AJZ kann weitergehen

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Auf dem Gelände der Wilhelm Berg GmbH & Co. KG, ehemals Bergchemie (Gebäude Mitte), soll das Alternative Jugend- und Kulturzentrum (AJZ) entstehen. Da sich die Bewilligung einer Sonderregelung bezüglich des Lärmschutzes verzögerte, erhielt der Lüdenscheider Verein Freie Medien keine Baugenehmigung. Bis jetzt: Seit dieser Woche liegt die Zusage vor. Die Umbaumaßnahmen im AJZ können damit weitergehen.

LÜDENSCHEID - Es hat Jahre gedauert, doch nun ist es amtlich: Der Verein Freie Medien darf die Umbauarbeiten in den Räumen des künftigen Alternativen Jugend- und Kulturzentrums (AJZ) fortführen. Die dafür notwendige Baugenehmigung wurde in dieser Woche erteilt. Nach langwierigen Verhandlungen und Verzögerungen ist die Freude auf Seiten des Vereins und bei den Fürsprechern des Zentrums groß.

„Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen, als wir von der Genehmigung erfahren haben“, sagt Shari Kowalewski, Sprecherin des Vereins Freie Medien. Man habe zu diesem Zeitpunkt nicht mit der Zusage gerechnet und freue sich daher um so mehr. „Wir haben in den letzten Jahren teilweise resigniert, aber letztlich doch immer die Hoffnung gehabt, dass wir bald eröffnen können.“

Voraussichtliche Eröffnung im Frühjahr

Der Verein peilt die Eröffnung des AJZ nun für das Frühjahr an. Der genaue Termin ist davon abhängig, wie schnell die 20 Mitglieder des Vereins die weiteren Umbaumaßnahmen durchführen können. „Wir leisten die Sanierung alle ehrenamtlich und haben neben Arbeit oder Studium natürlich nur begrenzt Zeit. Aber nachdem wir jahrelang warten mussten und vertröstet wurden, wollen wir das jetzt so schnell wie möglich angehen“, erklärt Kowalewski.

Ehrenamtliche Jugendarbeit

Der Verein Freie Medien erklärt, mit dem Alternativen Jugend- und Kulturzentrum (AJZ) „eine in Lüdenscheid einzigartige Einrichtung ins Leben“ rufen zu wollen. Im AJZ sollen nicht nur ein Café betrieben und Konzerte durchgeführt werden, sondern auch künstlerische Projekte, Ausstellungen und „gesamtgesellschaftliche Veranstaltungen“. „Wir sind bereit, ehrenamtlich Jugendarbeit zu leisten“, erklärt der Verein. Fürsprecher aus Politik, Verwaltung und Stadtjugendring unterstützen dieses Engagement. „Das AJZ wird hier eine Nische ausfüllen, die sonst keine Lüdenscheider Einrichtung bedient. Die jungen Mitglieder haben bereits eine ganze Menge bewegt und ich ziehe meinen Hut vor einem solchen Engagement“, sagt Michael Heide-Gentz, Sprecher des Stadtjugendrings.

Zur Finanzierung der Umbauarbeiten genehmigte die Stadt Lüdenscheid bereits 2010 9000 Euro, die für die erste Umbauphase genutzt wurden. Das Geld wird dem Verein Freie Medien über den Stadtjugendring zur Verfügung gestellt, da er selbst nicht gemeinnützig ist.

Darüber hinaus verwaltet der Stadtjugendring für den Verein Freie Medien eine zweckgebundene Spende in Höhe von 6000 Euro. Diese Summe steht nun für weitere Sanierungen bereit.

Hermann Morisse, Ratsherr und Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses (Grüne) und einer der Fürsprecher des Zentrums, teilte die Freude über die Genehmigung. „Die jungen Leute brennen darauf, das Zentrum endlich fertig zu bekommen.“

Seiner Meinung nach, habe aber auch die Verwaltung der Stadt Lüdenscheid sehr gut mit den verschiedenen Beteiligten verhandelt und ihr Möglichstes getan, damit das Zentrum eröffnen kann. „Ich kann aber auch den Unmut der Vereinsmitglieder verstehen, denen das Prozedere viel zu lange gedauert hat“, sagt Morrisse.

Lärmschutzvorgaben sorgten für Verzögerung

Zum Hintergrund: Nachdem das damalige Autonome Zentrum an der Bahnhofsallee Ende 2008 geschlossen wurde, sollte in Absprache mit der Stadt auf dem Fabrikgelände der ehemaligen Bergchemie das neue Alternative Jugend- und Kulturzentrum (AJZ) entstehen. Dort soll nicht nur der Verein Freie Medien die Möglichkeit haben, öffentliche Veranstaltungen durchzuführen, sondern zum Beispiel auch der Stadtjugendring.

Der Plan, dort öffentliche Aktionen durchzuführen, wurde aber zum Problem. Die Durchführung solcher Veranstaltungen ist an sich zwar genehmigt. Doch um mit dem Auto zum Innenhof des Bergchemie-Komplexes zu gelangen, muss eine Straße genutzt werden.

Diese Zufahrtsstraße ist wiederum im Besitz der Wilhelm Berg GmbH & Co. KG, die Eigentümerin des Bergchemie-Komplexes, und der Nottebohmschen Grundstücksgesellschaft. Dieser Gesellschaft gehört der Komplex, in dem sich früher die Nottebohm-Fabrik befand.

Durch dieses Besitzverhältnis ist die Straße privat. Dadurch gelten andere Lärmschutzvorgaben, wie die Lüdenscheider Nachrichten 2012 berichteten. Laut Wolfgang von Niessen, Geschäftsführer der Wilhelm Berg GmbH & Co. KG, der sich im vergangenen Jahr zum Sachverhalt äußerte, gilt „die Vorgabe, dass der Lärm an- und abfahrender Fahrzeuge nach 22 Uhr einen gewissen Dezibelwert nicht überschreiten darf“ (Lüdenscheider Nachrichten, 11.12.2012). Dieser Wert wird auf dieser Straße allerdings um einen Punkt überschritten, wie ein Lärmschutzgutachten aus 2011 ergab.

Unter diesen Umständen hätte der Verein Freie Medien nur eine Baugenehmigung erhalten, wenn alle Veranstaltungen bis 21.30 Uhr beendet wären. Daher musste eine Ausnahmeerlaubnis erteilt werden.

Das ist nun geschehen. Diese Sondererlaubnis ist aber auch an eine Vorgabe geknüpft: Ab 22 Uhr dürfen auf dem Parkplatz im Innenhof der Wilhelm Berg GmbH & Co. KG kein Automotor mehr gestartet und keine Autotür zugeschlagen werden. Dies gilt nicht nur für das AJZ, sondern für alle Mieter der Bergchemie.

Ein weiteres Problem stellte die Brandschutzsicherung dar. Hier erlaubten die Inhaber der Gebäudekomplexe, dass die Feuerwehr im Brandfall die Privatstraße nutzen darf.

Von Alisa Kannapin

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