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Ufo-Videos der US Navy: Verdächtige Dreiecke im Hintergrund

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Von: Jan Schmitz

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Mehr als 4.000 Ufo-Sichtungen haben die zivilen Ufo-Forscher aus Lüdenscheid schon untersucht. Veröffentlichte Ufo-Videos der US Navy haben einen neuen Ufo-Hype ausgelöst.

Lüdenscheid – Die Andeutungen über angeblich nicht erklärbare Bewegungen von unidentifizierten Flugobjekten (Ufo) kamen aus berufenem Munde. Der ehemalige US-Präsidenten Barack Obama höchstselbst befeuerte mit einem Auftritt in einer Talkshow einen neuen Ufo-Hype. Sind die Sichtungen gar ein Hinweis auf Besuche von Außerirdischen? Hans-Werner Peiniger, Ufo-Forscher aus Lüdenscheid und Vorsitzender der Gesellschaft zur Erforschung des Ufo-Phänomens (GEP), bleibt skeptisch.

StadtLüdenscheid
KreisMärkischer Kreis
Fläche87,02 Quadratkilometer
Einwohner72.313 (31. Dez. 2019)

„Bemerkenswert ist, dass sich amerikanische Regierungsstellen und der Geheimdienst nun offensiv des Themas angenommen haben und sogar in Kürze einen Bericht vorlegen wollen, der 120 ungeklärte Vorfälle beinhalten soll“, schreibt Peiniger in einem Brief an die Redaktion. Die Erwartungen an den Bericht sind allenthalben groß. Aus langjähriger Erfahrung weiß der Ufo-Experte, dass „viele Menschen diese Fälle als Beleg für einen gegenwärtigen Besuch einer außerirdischen Intelligenz“ werten werden.

Die GEP glaubt nicht daran. Peiniger: „Man wird nicht erwarten dürfen, dass der Bericht Erklärungen enthält, in denen auf eine mögliche außerirdische Ursache hingewiesen wird. Aber nach dem Trauma der Terroranschläge vom 11. September 2001 reagieren die Amerikaner natürlich besonders sensibel auf Objekte und Phänomene im amerikanischen Luftraum, die sie nicht sofort auf herkömmliche Ursachen zurückführen können. Daher ist das Interesse groß, solche Fälle zu sammeln und zu analysieren.“ Auch bei ihm.

Ufo-Videos der US Navy: Irdische Erklärungen sind wahrscheinlich

Die ersten drei Ufo-Videos der US Navy, die veröffentlicht wurden, findet Peiniger „nicht besonders überzeugend“. Für die Videos seien von zivilen Ufo-Forschern schon herkömmliche Erklärungen gefunden worden. Alle drei Videos zeigten demnach normale Flugzeuge. Die Dreiecksform des Flugobjekts sei durch einen Kamera-Effekt des Nachtsichtgeräts entstanden. „Auf dem Video sind im Hintergrund Sterne zu sehen. Auch sie sind dreieckig“, sagt Peiniger.

GEP widmet sich seit 1972 der Ufo-Forschung und analysierte mehr als 4.000 Meldungen

Seit 1972 hat die Lüdenscheider GEP über 4.500 Ufo-Beobachtungen, -Fotos und -Videos aus dem deutschsprachigen Raum dokumentiert und zum größten Teil auch analysiert. Allein zwischen 2015 und 2020 gingen 1.388 Meldungen ein. Dabei bedienen sich die privaten Fallermittler wissenschaftlicher Methoden und Arbeitsweisen aus der Kriminalistik.

Ziel ist es in jedem Fall, den Augenzeugen eine nachvollziehbare Erklärung zu liefern. Dabei versuchen die Ufo-Forscher die beobachteten Phänomene auf herkömmliche Ursachen zurückzuführen. Geprüft wird unter anderem, welche herkömmlichen Fluggeräte sich zum Zeitpunkt der Sichtung im Luftraum befanden, wie Sonne, Mond und Sterne standen und wie das Wetter war. Eingereichte Fotos und Videos werden zudem mit Methoden der digitalen Bildforensik untersucht.

Das Auge trügt. Das ist ein Ausschnitt von einem Foto, das ein Ufo-Fake zeigt.
Das Auge trügt. Das ist ein Ausschnitt von einem Foto, das ein Ufo-Fake zeigt. © Jan Schmitz
Hans-Werner Peiniger hat tausende Berichte von Ufo-Sichtungen überprüft. Hier hält der Ufo-Experte ein kleines Spielzeug mit einem Nylon-Faden in die Kamera, um zu demonstrieren, wie leicht die Wahrnehmung trügen kann.
Das Ufo-Foto als Vollmotiv. Hans-Werner Peiniger hat tausende Berichte von Ufo-Sichtungen überprüft. Hier hält der Ufo-Experte ein kleines Spielzeug mit einem Nylon-Faden in die Kamera, um zu demonstrieren, wie leicht die Wahrnehmung trügen kann. © Jan Schmitz

Ufo-Sichtungen: Ein Drittel der Fälle in 2020 ging auf Starlink-Satelliten zurück

Hauptverursacher für Ufo-Meldungen sind aktuell die Starlink-Satelliten des Raumfahrtunternehmens SpaceX, die nach dem Aussetzen in den Erdorbit zunächst als Lichterkette über den Himmel ziehen. Im vergangenen Jahr waren das etwa ein Drittel aller Fälle. Auch normale Sterne und Planeten, Flugzeuge und Hubschrauber, Drohnen oder die inzwischen verbotenen Himmelslaternen können dem Auge einen Streich spielen. Auf Fotos sind es oft Insekten und Vögel, die zufällig während der Aufnahme durch das Bildfeld flogen und sich im Foto als unscharfes ovales Objekt darstellen.

Ufo-Sichtung in Lüdenscheid: 300 Meter langes Objekt mit „greller Kante“

Zuletzt gab es sogar eine Ufo-Sichtung aus Lüdenscheid. Von der Schlittenbacher Straße aus beobachteten drei Personen am 18. Mai gegen 0 Uhr vom geöffneten Dachfenster aus eine wolkenartige Struktur, die sich geräuschlos quer zu den übrigen Wolken fortbewegte. Sie sei etwa 300 Meter lang gewesen und habe eine „grelle untere Kante“ aufgewiesen. Dieser Fall befindet sich noch in der Bearbeitung. Peiniger hofft auf weitere Zeugen, die sich bei der GEP melden können.

„Für etwa fünf Prozent der Sichtungen konnten auch wir keine Erklärungen liefern“, sagt der Ufo-Experte. Diese Fälle werden dann gesondert analysiert. Nie habe man allerdings eindeutige Hinweise auf außerirdische Besucher gefunden.

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