Überraschendes Ende des „Commander“-Prozesses

LÜDENSCHEID ▪ Kuriose Wendung im „Commander“Prozess: Ein Unfall der Bremer Rechtsanwältin Hannelore Frehse-Hautau hat – indirekt – für ein vorzeitiges Ende des Verfahrens vor dem Erweiterten Schöffengericht gesorgt.

Weil sich die Juristin in der vergangenen Woche vor dem Prozessauftakt bei einem Treppensturz in einem Neuenrader Hotel die Kniescheibe gebrochen hat und operiert werden musste, fehlte sie gestern – und wird nach Angaben ihres Kollegen Manfred Kampschulte „wohl länger“ krank sein.

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Doch mehr als drei Wochen darf das Gericht zwischen zwei Prozesstagen nicht pausieren. Anderenfalls müsste die komplette Beweisaufnahme mit allen Zeugenvernehmungen wiederholt werden. Die Richter entschieden sich gestern stattdessen dafür, das Verfahren gegen die beiden „Commander“-Besitzer vorläufig einzustellen – mit der Auflage, insgesamt 4000 Euro an die Nebenkläger zu zahlen, deren Anwaltskosten zu übernehmen und 8400 Euro an die Staatskasse zu überweisen.

Einer der Geschädigten, ein durch den Unfall psychisch traumatisierter Schüler (18) aus Unna, schüttelte verständnislos den Kopf. Der junge Mann, dessen Bein unter der abgerissenen „Commander“-Gondel brach, vernahm die Entscheidung äußerlich gleichgültig, ähnlich wie ein weiterer Verletzter. Der vierte Nebenkläger war gar nicht erst zum Prozess erschienen.

Die Juristen waren sich einig, dass eine Einstellung des Verfahrens strafrechtlich vertretbar ist. Auch Staatsanwalt Bernd Maas beharrte vor dem Hintergrund der jüngsten Prozessentwicklung nicht mehr auf einer Verurteilung. Zwar hätten die beiden Schausteller ihre Sorgfaltspflichten „peinlichst genau“ erfüllt. Aus den Prüfbüchern habe sich „keine einzige Lücke“ ergeben. Und trotz der Vielzahl der Verletzten „war der Unfall nicht so schlimm wie man ihn sich vorstellen könnte“, so Maas.

Trotzdem: „Dass eine Sanktion erfolgen muss, steht außer Frage.“ Ob die Summe per Urteil oder einer anderen Entscheidung gezahlt werden müsse, „ist nicht wichtig“, so Staatsanwalt Maas.

Die Zahlungen an die Geschädigten sind nach Auffassung des Gerichts als „Anrechnung auf Schmerzensgeld“ zu verstehen. Möglicherweise werden einige der Nebenkläger versuchen, zivilgerichtlich noch höhere Summen zu erstreiten. Die beiden Schausteller akzeptierten die Entscheidung der Richter.

Olaf Moos

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