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Überraschende Wende im Drogenprozess gegen Vater und Sohn am Hagener Landgericht

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Von: Olaf Moos

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Drogenprozess am Landgericht Hagen
Die Strafverteidiger Dominik Petereit (links) und Andreas Trode (rechts) mit ihren Mandanten. Bildmitte: der Arabisch-Dolmetscher Youness El Atmani. © Olaf Moos

Die von der Polizei sichergestellten Beweismittel aus der Wohnung des Hauptangeklagten dürfen nicht verwertet werden. Es lag kein Durchsuchungsbeschluss vor.

Lüdenscheid - Die grundgesetzlich garantierte Unverletzlichkeit der Wohnung ist ein hohes Rechtsgut – und gilt auch für Wohnungen bekannter Straftäter. Nur staatliche Organe wie Richter oder Staatsanwälte können entscheiden, dass Polizisten eine Wohnung gegen den Willen des Mieters oder Eigentümers betreten dürfen.

Dieses Prinzip ist Basis einer überraschenden Wende im Drogenprozess gegen den einschlägig vorbestraften Vater und seinen Sohn vor der 9. großen Strafkammer des Landgerichts Hagen – und bedeutet einen durchschlagenden Erfolg für die beiden Strafverteidiger Dominik Petereit und Andreas Trode.

In einem Verständigungsgespräch, dass Richter, Staatsanwalt und Rechtsanwälte hinter verschlossenen Türen geführt haben, überzeugten die Verteidiger die Kammer davon, dass die Funde aus der Wohnung des 66-Jährigen Hauptangeklagten – Drogen, 57 000 Euro Bargeld und Waffen – nicht als Beweismittel verwertet werden dürfen. Der Vorsitzende Richter Christian Hoppe sagte am dritten Verhandlungstag: „Nach den Festnahmen hätte ein Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung vorgelegt werden müssen.“

Doch der ist für die Justiz offenbar nicht aufzutreiben. Dass die Drogenfahnder, wie die Ermittlungsführerin erklärte, „mehrfach angeregt“ haben, neben dem eigentlichen Zielobjekt „das komplette Gebäude“ und damit eine weitere Wohnung zu durchsuchen, reicht nicht aus. Das könnte dazu führen, dass der 66-jährige Bewohner zumindest seine 57 000 Euro zurück bekommt.

Nachdem laut Einschätzung der Richter auch der Kokain-Fund in dem Gastrobetrieb in der Oberstadt den Angeklagten „nicht eindeutig zuzuordnen“ ist, fällte die Kammer eine weitere Entscheidung im Sinne der Verteidiger: Die Richter hoben den Haftbefehl gegen den Sohn auf und setzten ihn auf freien Fuß – mangels dringenden Tatverdachts.

Auch in Bezug auf den Vater steht die Tür für eine Verständigung offen. Der 66-Jährige wurde mit Drogen und einer Pistole in der Jacke festgenommen und sitzt seit rund neun Monaten in U-Haft. Sollte er ein umfassendes Geständnis über seine Rauschgiftgeschäfte ablegen, könnte er mit einer Freiheitsstrafe von etwa fünf Jahren rechnen. Ansonsten, das stellte Richter Hoppe klar, könnte die Haftzeit auch bis zu acht Jahre dauern.

Im Jahr 2013 wurde er zusammen mit einer seiner Töchter verurteilt: Er hatte Kokain besorgt, sie den Stoff in der familieneigenen Bar verkauft.

Der Prozess wird am 10. Oktober um 9.30 Uhr im Saal 201 fortgesetzt.

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