Linienbus-Busengrapscher vorm Amtsgericht

Lüdenscheid - War es wirklich eine tätliche Beleidigung, wie Staatsanwältin Ina Pavel meint? Oder doch eher ein einvernehmliches Miteinander, wie Strafverteidiger Heiko Kölz offenbar denkt? Klar ist bis jetzt nur: Ein Mann (34) hat am Vormittag des 23. März in einem Linienbus der MVG die Brüste einer 18-jährigen Sitznachbarin geknetet. Der Prozess gegen ihn findet am nächsten Freitag am Amtsgericht statt.

Wie Gerichtssprecher Jan Schulte im LN-Gespräch bestätigt, stieg der Angeklagte an der Haltestelle am Kulturhaus in den Bus der Linie 37 in Richtung Altena. Darin saß schon die junge Frau. Sie hatte einen Platz direkt hinter dem Fahrer gefunden. Der 34-Jährige setzte sich auf den freien Platz neben sie.

Möglicherweise habe er sie schon da kurz am Oberarm berührt, heißt es. Doch die 18-Jährige habe keine Notiz davon genommen. Während der Bus die Altenaer Straße hinunterrollte, soll der Angeklagte damit begonnen haben, die rechte Brust seines Opfers mit seinen Fingerspitzen zu streicheln. Die Frau habe sich derart erschrocken, dass sie den Mann nicht zur Rede gestellt, geschweige denn Gegenwehr geleistet hat. Darauf habe der Beschuldigte die Brüste der Heranwachsenden „mehrfach heftig geknetet“, wie Schulte weiter sagt.

Erst am Altenaer Bahnhof stieg die junge Frau aus dem Bus aus. Nach LN-Informationen soll sie sich unter dem Eindruck der Geschehnisse an der Haltestelle übergeben haben. Die Polizei leitete nach der Strafanzeige Ermittlungen ein und spürte den Mann auf, die Staatsanwaltschaft Hagen erhob Anklage wegen Beleidigung.

Rechtsanwalt Heiko Kölz aus Lüdenscheid hat nach Jan Schultes Angaben einen Schriftsatz zu den Akten gereicht, in dem er seine Rechtsauffassung zu dem Fall darstellt. Demnach gehe er nicht von einer Beleidigung aus, weil sein Mandant – ein Asylbewerber aus Eritrea, der in einer Unterkunft in Hemer lebt – die Passivität der 18-Jährigen als „Zustimmung“ aufgefasst und deshalb nicht von seinem Tun abgelassen habe.

Damit folgt der Jurist aus der renommierten Kanzlei Bergfeld & Partner am Rathausplatz augenscheinlich seiner Linie, die er schon im sogenannten Popograpscher-Prozess vertreten hat. Im April 2013 verteidigte er einen Mann, der als Kellner einer Innenstadt-Disco einer jungen Frau auf der Tanzfläche von hinten unter dem Rock zwischen die Beine gegriffen hatte.

Damals argumentierte Kölz, der Angeklagte habe sich von den „Reizen“ der Frau „hinreißen lassen“. Für eine Beleidigung aber fehle es an der „herabsetzenden Bewertung“. Eventuell, so der Rechtsanwalt in seinem Plädoyer vor Strafrichter Andreas Lyra weiter, habe es sich sogar um eine „Art Wertschätzung“ für die Frau gehandelt – und beantragte, „ohne das Verhalten zu billigen“, einen Freispruch. Sein Mandant wurde in diesem Fall zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt.

Ob es in dem aktuellen Fall ähnlich ausgeht, wird in Justizkreisen mit Spannung erwartet. Den Vorsitz der Hauptverhandlung führt diesmal Strafrichterin Kristina Thies.

Der Prozess beginnt am Freitag um 12 Uhr und findet im Saal E29 des Amtsgerichts statt.

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