Freispruch wegen Schuldunfähigkeit

Überfälle und Zerstörungswut im MK: „Ich hatte ständig Angst“

Tankstelle Senkung Mehrwertsteuer
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Symbolbild

In Handschellen betritt er den Saal, als freier Mann geht er nach dem Strafprozess nach Hause. Damit bleiben seine Raubüberfälle auf eine Tankstelle und Zerstörungswut in Sparkassen-Filialen ungesühnt. Der 30-jährige Lüdenscheider war laut Gutachten zur Tatzeit schuldunfähig – im Drogenrausch.

Lüdenscheid - Wie er da sitzt vor Strafrichter Andreas Lyra, durchaus gesprächig und mit einem entrückten Dauerlächeln im Gesicht, scheint der arbeitslose Mann sich über nichts Sorgen zu machen. Bei seinen Opfern in der Aral- Tankstelle an der Werdohler Landstraße hinterließ er im September 2018 noch einen anderen Eindruck.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohner72.313 (31. Dez. 2019)

Überfälle und Zerstörungswut im MK: „Ich hatte ständig Angst“

Ein Kassierer erinnert sich. „Er kam rein und fragte, ob er 50 Euro kriegen könnte.“ Der Mann hatte einen Pflasterstein in der Hand. Als er versuchte, hinter den Tresen zu gelangen und in die Kasse zu greifen, wurde er von dem Zeugen und einem Kollegen überwältigt und rausgedrängt.

Ein paar Tage später tauchte er am Nachtschalter auf – wieder mit einem Stein bewaffnet. Die Angestellte legte einen 50er in die Schublade. Er nahm das Geld, legte dafür den Stein in die Schublade und verschwand. Zum Richter sagt der Angeklagte: „Ich hatte nie die Absicht, jemanden zu verletzen.“

Daran hielt er sich auch, als er am Rathausplatz mit einem Stein eine Glasscheibe zertrümmerte. In der Filiale an der Heedfelder Straße zerstörte er vier Scheiben und Bildschirme von Geldautomaten. „Ich habe kein Geld ziehen können, das hat mich wütend gemacht.“ Der Sparkasse entstand ein Schaden in Höhe von rund 20 000 Euro. „Ich war in dem Glauben, dass mir das Geld zusteht.“

Überfälle und Zerstörungswut im MK: Im Drogenrausch durch Lüdenscheid

Der Psychiater Dr. Nikolaus Grünherz hat den 30-Jährigen untersucht. Und erfahren, dass der Patient Stimmen hört und unter dem Einfluss von Marihuana und Amphetamin durch die Stadt streifte – manchmal drei Tage und drei Nächte ohne Schlaf. Der Angeklagte sagt: „Die Menschen machten alle einen komischen Eindruck auf mich, sahen aus wie Vampire, ich hatte ständig Angst.“

Als Grünherz sein Gutachten erstattet, bricht der 30-Jährige in Tränen aus. Der Sachverständige attestiert dem Lüdenscheider, „zur Tatzeit unter einer Intoxikation, eingebettet in eine psychotische Störung“ gelitten zu haben. Einsichts- und Steuerungsfähigkeit seien „völlig aufgehoben“ gewesen. „Er muss in eine fachpsychiatrische Behandlung!“

Die Staatsanwältin plädiert auf Freispruch – wegen Schuldunfähigkeit. Verteidiger Holthaus sagt: „Er ist kein böser Junge, nur etwas aus der Spur gelaufen.“ Richter Andreas Lyra verabschiedet den Angeklagten. „Versuchen Sie, von den Drogen runter zu kommen! Das macht den Kopf kaputt.“

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