Flüchtlinge: Nach LN-Bericht fühlen sich Nachbarn am Pranger

Wut über Darstellung

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Es gab Gesprächsbedarf: Rund 50 Bürger waren zu der Info-Veranstaltung im Gemeindezentrum am Rathmecker Weg erschienen.

Lüdenscheid -  Beim Thema Flüchtlinge kochen die Emotionen mitunter hoch. Und nicht alles ist dabei so, wie es zunächst scheint. Ein Beispiel dafür: der Verlauf der jüngsten Anwohner-Information für die Stadtteile Rathmecke und Dickenberg.

Dominierendes Thema dabei: ein vor zwei Wochen erschienener LN-Artikel und seine Folgen. Durch den Bericht sehen sich zumindest einige Anwohner als fremdenfeindlich verunglimpft. Doch der Reihe nach.

Die ehemalige Hermann-Gmeiner-Schule in dem Stadtteil dient bekanntlich als Flüchtlingsunterkunft. Bei Bürgerversammlungen bemühen sich Vertreter von Stadt und Polizei sowie die Johanniter als Betreuer der Unterkunft immer wieder um Transparenz sowie um die Lösung eventueller Probleme im Umfeld des Hauses.

Um solche Probleme kreiste auch besagter LN-Bericht, der sich auf ein Gespräch mit Christopher Tomaszik gründete. Der Johanniter-Mann ist Leiter der Unterkunft. Der Artikel rückt Anwohner-Klagen in den Fokus. Es geht etwa um Bierflaschen in Vorgärten und anderen Vandalismus, für den womöglich Flüchtlinge verantwortlich seien. Durch die Berichterstattung, so monierte eine Gruppe Nachbarn bei der Versammlung, sei ein völlig falsches Bild entstanden. „Wir fühlen uns am Pranger und als fremdenfeindlich hingestellt.“ So die Worte eines empörten Bürgers. Dabei sehe die Realität ganz anders aus – die Nachbarschaft sei hilfsbereit und keineswegs fremdenfeindlich.

Angesichts der Entrüstung bemühten sich Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg und ihre Kollegin Krimhild Ochse als Moderatorin der Runde ebenso wie Johanniter-Sprecherin Jutta Beißner um Ausgleich. Was indes nicht immer gelang. Beißner lobte dabei das Engagement der Nachbarschaft in der Flüchtlingsfrage, Deitenbeck-Goseberg hält „gegenseitige Wertschätzung“ aller Partien für nötig. Bessere Kommunikation soll künftig dabei helfen, Irrtümer und Unzufriedenheit zu vermeiden.

Nicht zu halten waren an diesem Abend diffuse Verdächtigungen. So berichteten Anwohner über eine zerstörte Fensterscheibe, ein aufgebrochenes Auto und unbestimmte Angstgefühle bei Dunkelheit. Beweise, dass die Flüchtlinge damit etwas zu tun haben, gibt es nicht. Polizeikommissar Holger Getzlaff: „Keine Straftat außerhalb der Unterkunft konnte bisher einem Flüchtling zugeordnet werden. Unsere Einsätze haben lediglich mit normalen Streitereien in der Einrichtung zu tun.“

Bisweilen kann ein erster Eindruck auch täuschen. So wurde bei der Versammlung ein vor Zeiten verschwundener Ausweis einer jungen Frau mit einem Flüchtling in Verbindung gebracht. Was stimmt – der Mann hatte das Dokument als Fundstück bei der Polizei abgegeben.

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