„Tupf“ berät pflegewillige Paare in Lüdenscheid

Nur noch zwei kleine Kinder bringen die Mitglieder der „Mutter-Kind-Gruppe“ mit zu den Treffen, die dem Erfahrungsaustausch und dem fröhlichen Beisammensein dienen.

ÜDENSCHEID ▪ Mit einem Beratungs- und Hilfsangebot unterstützt der Verein „Tages- und Pflegeeltern“ (Tupf) die Suche des Jugendamtes nach neuen Dauerpflegefamilien. „Tupf ist manchmal allererste Anlaufstelle für Paare, die nur mal zaghaft über die Möglichkeit der Aufnahme eines Dauerpflege- oder Adoptivkindes nachdenken“, berichtet der Verein, dessen „MuKiGruppe“ (Mutter-Kind) die Arbeit des Jugendamtes unterstützt.

„Selbsthilfegruppe“ sei dabei ein zu nüchterner Begriff für das, was der Verein leiste, sagt Nicole Jung, die bei Tupf für die Dauerpflege und die Adoption zuständig ist. Es gebe viele unzutreffende Vorurteile und wenig Wissen über das Thema „Dauerpflege und Adoption“. „Häufig spukt der Gedanke ‚die müssen doch dann eh wieder zurück in ihre Familien’ in den Köpfen herum“, beschreibt der Verein einen verbreiteten Irrtum.

„Tupf“ bietet interessierten Paaren und Einzelpersonen deshalb persönliche Gespräche an, in denen „aus dem Nähkästchen geplaudert“ werden könne. An einem gemeinsamen „Tupf-geht-essen-Abend am 3. November, ab 19.30 Uhr, gibt es eine erste Gelegenheit zum Kennenlernen. Geplant ist darüber hinaus ein Fortbildungsangebot zum Thema „Dauerpflege-/Adoptivfamilien“. Darin soll der Verein „Tupf“ mit seinen Angeboten von einer Dauerpflegemutter vorgestellt werden. „Weitere ‚amtierende’ Pflegeeltern sind zu Gast, um ‚live’ zu berichten“, heißt es in der Ankündigung.

Wöchentlich trifft sich in den Vereinsräumen der alten Kluser Schule eine muntere Gruppe von Adoptiv- und Pflegemüttern, die durch ähnliche Erfahrungen zusammengeschweißt wurden und nicht unbedingt nur über „Probleme“ sprechen. Nur zwei Kinder bringen die acht Mitglieder derzeit noch mit – alle anderen sind inzwischen bereits im Kindergarten- oder Schulalter. Genau mache aber deutlich, dass seit längerem keine kleinen Kinder in Dauerpflegefamilien vermittelt wurden, weist Nicole Jung auf den Anlass der Initiative hin. Sie macht deutlich, dass Dauerpflegekinder vor allem Kinder sind – mit allen Freunden und allem Leid: „Es macht nichts aus, ob das selbstgemachte oder ‚Second-Hand’-Kinder sind – der normale Wahnsinn eben.“ Dauerpflege- und Adoptivkinder seien wie leibliche Kinder „gewünschte, ersehnte erhoffte Kinder – auch wenn sie mit Filzstift auf dem Teppich malen oder ihre Hausaufgaben nicht machen“. ▪ thk

Das Büro des Vereins „Tupf“ (Kluser Straße 35) ist unter Tel. 0 23 51/ 86 14 94 erreichbar.

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