Plötzlich die Faust im Gesicht

Tumulte nach Roter Karte: Polizistin aus MK auf Fußballplatz angegriffen

Marie Duske Polizei MK Lüdenscheid Gewalt Initiative DGB
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Marie Duske ist Polizistin im Märkischen Kreis und Teil der DGB-Kampagne „Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch“. Auch sie wurde während eines Einsatzes Opfer von Gewalt.

Es sind brutale Vorgänge, die eine Polizistin aus dem Märkischen Kreis schildert. Sie wurde Opfer von Gewalt und möchte als Teil einer Initiative dafür sorgen, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholen.

Lüdenscheid – Marie Duske ist Polizeibeamtin im Märkischen Kreis. Sie trägt täglich ihren Teil zur Sicherheit in Lüdenscheid und im Kreis bei. Doch während ihrer Schichten sieht sich die 24-Jährige nach eigener Aussage immer wieder mit Gewalt und Beleidigungen, die gegen sie und ihre Kollegen gerichtet sind, konfrontiert. Als Teil einer Kampagne des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) setzt sich die junge Polizistin dafür ein, dass das Thema Gewalt gegen Polizeibeamte publik gemacht wird.

Der Angriff

„Es war in meinem dritten Ausbildungsjahr. Die Ausbildung habe ich in Köln gemacht. Der Hintergund des Einsatzes war, dass es ein Fußballspiel gab, in dem ein Spieler eine Rote Karte bekommen hat und den Platz verlassen musste“, erinnert sich Duske an ihren Einsatz, der einen heftigen Verlauf nehmen sollte. „Infolgedessen gab es dann einen Tumult, der zu einer Schlägerei zwischen den Angehörigen des Spielers und anderen Zuschauern geführt hat.“ Nachdem die Polizei verständigt wurde und Marie Duske zusammen mit ihrem Kollegen und einer weiteren Polizistin eintraf, sei versucht worden, die Situation zu schlichten und den Sachverhalt zu klären.

„Das war aber gar nicht möglich. Die waren derart aggressiv, sind direkt auf uns zugegangen, haben uns beleidigt und meine Kollegin geschubst.“ Daraufhin seien Duske und ihr Kollege dazwischengegangen, was zur Eskalation der Situation führte. „Dann ist diese Gruppe von 15 bis 20 Mann auf uns losgegangen. Es ging alles unfassbar schnell. Ich spürte nur noch, dass ich auf einmal die erste Faust im Gesicht hatte“, schildert Duske. Sie habe versucht, sich mit „Händen und Füßen“ gegen die Angreifer zu wehren. „Wir wurden geschlagen und getreten, es wurde Pfefferspray auf uns gesprüht. Es passierte eigentlich alles, was man sich in so einer Situation vorstellen kann.“

Duske und ihre Kollegen haben dann unabhängig von einander über das Funkgerät um dringende Unterstützung gerufen, die auch kurze Zeit später eintraf und die Situation entschärfte. „Wäre die Verstärkung nicht wenige Minuten später eingetroffen, wäre das sicherlich ganz anders für mich und meine Kollegen ausgegangen“, glaubt Duske.

Die Gedankengänge

„In der Situation geht alles so schnell. Man steht unter Adrenalin und funktioniert nur noch“, sagt die Polizistin über den Moment des Angriffs. Man rufe nur noch das ab, was man in der Ausbildung und in Trainingslagern gelernt habe.

Die Nachwirkungen

Dass solche Einsätze Spuren hinterlassen, will Marie Duske nicht leugnen: „Wenn man dann nach der Schicht nach Hause fährt, geht man die Situationen noch einmal Stück für Stück im Kopf durch.“ Es seien Gedanken, die nur schwer nachzuvollziehen seien. „Da ist ein Mensch, den man überhaupt nicht kennt und der einen selbst nicht kennt. Und nur, weil man da in Uniform steht, will der Mensch dir bewusst Gewalt zufügen und auf dich losgehen.“ Auch die Familie spiele eine Rolle bei der Verarbeitung der Einsätze. „Natürlich spricht man da auch drüber. Das hilft, das Ganze zu verarbeiten.“ Doch nicht nur die Familie ist ein wichtiger Faktor für Duske. „Nach der Schicht habe ich Nachrichten von Arbeitskollegen bekommen, die sich erkundigt haben, wie es mir geht.“ Generell würden die Kollegen untereinander viel über ihre Einsätze sprechen.

Gewalt im Berufsalltag

Der Vorfall in Köln sei allerdings kein Einzelfall, wenngleich das der bisher heftigste Einsatz von Marie Duske gewesen sei. Immer wieder sei sie mit gewaltsamem Verhalten konfrontiert. Dabei ist es nicht immer die körperliche Gewalt, der sich Duske und ihre Kollegen stellen müssen. „ Es ist genauso auch verbale Gewalt, also Beleidigungen, Bedrohungen oder andere Dinge. Das gehört leider zum alltäglichen Leben dazu.“

Der Lösungsansatz

Auch wenn es nicht immer möglich sei, Situationen ohne Gewaltanwendung zu deeskalieren, ist Duske der festen Überzeugung, dass ein ruhiges Gespräch oftmals zu einer Lösung des Problems führen könne. „Der erste Weg ist immer zu versuchen, die Leute mit Worten zu beruhigen. Gewalt anzuwenden, ist für uns immer das letzte Mittel. Und oft klappt es auch, mit den Leuten zu sprechen.“

Die Initiative „Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch“ des DGB

Um auf das Thema Gewalt gegen Polizisten, aber auch gegen alle anderen Beschäftigten im öffentlichen und privatisierten Sektor aufmerksam zu machen, hat der Deutsche Gewerkschaftsbund eine Initiative ins Leben gerufen. Sie trägt den Titel „Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch.“ Ziel der Initiative soll es sein, bei den Menschen ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass hinter Uniform und Dienstmarke ganz normale Menschen stecken.

Als eines der Gesichter der Kampagne tritt auch Marie Duske in Erscheinung, die im Märkischen Kreis als Polizistin arbeitet. Auf dem Plakat, auf dem die 24-Jährige abgebildet ist, findet sich die Frage: „Ich sorge für deine Sicherheit und du schlägst mir ins Gesicht?“

Teil der Initiative des DGB ist eine interaktive Karte, auf der gewalttätige Übergriffe auf Beamte aufgelistet sind. Mit Hilfe dieser Karte soll aufgezeigt werden, wie oft Beschäftigte im Öffentlichen Dienst gewaltsam angegriffen werden. Stand 4. Januar 2021 sind auf dieser Karte 157 Einträge zu finden. Unter den 152 Einträgen sind auch zwei Meldungen aus dem Märkischen Kreis. Am 11. Dezember wurden Beamte in Iserlohn angeschrien, beleidigt und körperlich bedrängt. Ein weiterer Fall ereignete sich am 8. November, als Beamte in Hemer nicht nur beleidigt und angeschrien, sondern auch geschlagen und getreten wurden. Die Karte und Infos zur Initiative gibt es unter www.mensch.dgb.de.

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