Tücken des „Provinzrechts“ für Führerscheinprüflinge

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Im Olpendahl/Einmündung Starenweg: Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, wer hier Vorfahrt hat.

Lüdenscheid - Die Gelehrten streiten sich, aber das „Sauerländer Bergrecht“ hat längst entschieden: Deshalb fahren Autofahrer, die Im Olpendahl bergab unterwegs sind, meist ungebremst am Starenweg vorbei. Umgekehrt hält, wer aus dem Starenweg kommt, weil er die Fahrbahnschwelle als Haltelinie empfindet. Was im Alltag läuft, kann bei Fahrprüfungen problematisch werden.

Denn Tüv-Prüfer Detlef Schwarze, der die Prüflinge auf ihrer schwersten Fahrt kontrolliert, hat eine klare Meinung zur Verkehrssituation an besagter Ecke. „Das ist kein abgesenkter Bordstein“, findet der Fachmann, dessen offizielle Bezeichnung „Fachbetreuer Fahrerlaubnis Region Sieger-/Sauerland“ lautet. Es handele sich nur um eine Aufpflasterung im Starenweg, deshalb gelte rechts vor links. Ein Problem habe sich daraus bis jetzt aber noch nicht ergeben, hat er festgestellt: „Da kommt auch fast nie einer raus.“ Ihm genüge es, wenn der Prüfling einen Blick in den Starenweg werfe; durchgefallen sei hier jedenfalls noch niemand.

Für Fahrlehrer stellt sich die Situation allerdings komplizierter dar. „Wir können nur ausbilden, was in einer Prüfungsfahrt Bestand hätte. Wer hier durchfährt, ist weg vom Fenster“, sagt Fahrlehrer Jens Bracht. Auch er verweist aufs eingangs geschilderte „Provinzrecht“, das sich längst eingespielt habe: Der Starenweg-Abbieger wartet in der Regel, bis er freie Fahrt hat. Brachts Kollege Klaus-Peter Mattke, der als Sachverständiger für Fahrlehrer in der weiteren Region – nicht in seiner Heimatstadt – tätig ist, interpretiert die optisch und beim Drüberfahren deutliche Schwelle als abgesenkten Bordstein. So sieht er hier auch eine eindeutige Situation – nur eben eine andere als der Tüv-Prüfer.

Jens Naumann, Sachbearbeiter in der Führungsstelle Verkehr der Polizei, bezieht sich auf den Paragraphen 10 der Straßenverkehrsordnung. Der besage, dass derjenige, der über einen abgesenkten Bordstein fahre, die Vorfahrt zu achten habe. Aber: „Es gibt leider keine bautechnische Normung für abgesenkte Bordsteine.“ Gleichwohl sei die Fahrbahn des Starenweges höher als die der Straße Im Olpendahl. Damit habe man auch rein optisch einen abgesenkten Bordstein. Das, so der Polizist, sei „zweifelsfrei“. Wer Zweifel an der Erkennbarkeit hege, habe sich natürlich so zu verhalten, dass größtmögliche Sicherheit herrsche. Es sei etwas unglücklich, räumt er ein, dass in der Tempo 30-Zone keine einheitliche Rechts-vor-links-Regelung herrsche. Das habe aber auch etwas mit Bestandsschutz im Straßenbau zu tun.

Tüv-Prüfer Detlef Schwarze schlägt derweil eine Beschilderung vor, um Zweifel auszuräumen. „Dann ist der Drops gelutscht.“ Die Notwendigkeit wiederum sieht die Stadt eigentlich nicht. Torsten Hoffmann vom Fachdienst Verkehrsplanung und -lenkung hält es auch für entscheidend, wie sich die Situation für den Verkehrsteilnehmer darstellt. Und der erlebe eine sicht- und spürbare Kante, deshalb liege hier ein abgesenkter Bordstein vor. Hoffmann: „Für uns ist die Situation auch eindeutig.“ - sum

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