Trotz Startschwierigkeiten

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Trotz großer Startschwierigkeiten hat Julian Braun einen Ausbildungsplatz gefunden, der ihm zusagt. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Das Thema Schule ist bei vielen Jugendlichen nicht sonderlich beliebt. Anfangs vergisst man ein- oder zweimal pro Woche die Hausaufgaben, dann fehlt man ab und zu und versäumt den Unterricht und am Ende steht man ohne Abschluss da. Der Grund dafür ist nicht immer, dass die Jugend von heute zu faul ist, sondern es können noch ganz andere Faktoren dazu beitragen. Von Charlene Marquardt

Man sollte sich mal folgende Fragen stellen: Wie sieht es im familiären Bereich aus, ist dort alles in Ordnung? Wie kommt man mit den Mitschülern zurecht? Wie gestalten Lehrer den Unterricht? Diese Liste von Fragen ließe sich noch weiterführen, doch Fakt ist einfach, dass mehrere Aspekte dazu führen können, dass Schüler den Abschluss nicht schaffen.

Wenn jemand an diesen Punkt angelangt ist, sollte er den Kopf nicht hängen lassen – denn jeder kann eine Chance auf einen Ausbildungsplatz bekommen – auch wenn das Zeugnis nicht „im grünen Bereich liegt“. Das beweist Julian Braun, 19 Jahre alt. Er hat seinen Realschulabschluss nicht geschafft. Er empfand den Unterricht als langweilig und hatte keinen Spaß mehr, etwas zu lernen, verlor somit an Motivation. Wir haben ihn gefragt, was er davon gehalten hat, ohne Abschluss dazustehen, und was er dann unternahm, um letztendlich einen Ausbildungsplatz bei „Selzer & Formenbau“ zu bekommen.

„Als ich erfahren habe, dass ich keinen Abschluss haben werde, ging es mir gar nicht gut. Ich fand es nicht toll und fing an, Informationen herauszusuchen, wie es für mich weitergehen soll. Meine Eltern waren anfangs natürlich total sauer auf mich, aber dann hat es sich wieder gelegt und wir haben zusammengehalten. Wir haben uns an die Agentur für Arbeit gewandt, die mit der SIHK zusammenarbeitet, von da aus bin ich in die Maßnahme ‚BaE‘ (Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen) gekommen. Die hat mir sehr geholfen, denn jetzt habe ich die Möglichkeit, meinen Abschluss nachzuholen“, so der 19-Jährige. „Einen Ausbildungsplatz zum Werkzeugmechaniker habe ich auch und zwar bei der Firma ‚Selzer & Formenbau‘, bei der ich am 1. August beginnen kann. Ein Jahr Berufserfahrung habe ich dort schon gesammelt. Dank meines Vaters bin ich auf diese Firma gestoßen, denn der kennt den Geschäftsführer Frank Lenze schon seit einigen Jahren.“ „Nach seiner Ausbildung von dreieinhalb Jahren werde ich ihm wahrscheinlich vorschlagen, hier zu bleiben. Natürlich muss er sich bis dahin an alle Regeln halten“, erklärt Lenze. „Momentan fühle ich mich super und bin erleichtert. Ich werde diese Ausbildung abschließen und was danach kommt, weiß ich noch nicht“, sagt Julian.

Eine bewegende Geschichte, die zeigt, dass es trotz vieler Startschwierigkeiten weitergehen kann. „Man darf sich auf jeden Fall nicht hängen lassen. Immer schön lernen und an sich glauben.“ So lautet Julians Appell an andere, denen es vielleicht gerade auch so ergeht, wie ihm vor ein paar Jahren. Zum Glück gebe es solche Maßnahmen für Jugendliche, denen anfangs eine Perspektive fehlt, wie es in der Zukunft weitergehen soll. Die „BaE“ gehört zu der Bundesagentur für Arbeit und bietet Nachhilfe in Theorie und Praxis an, sowie Vorbereitungen auf Klassen- und Prüfungsarbeiten, Nachhilfe in Deutsch, Unterstützung bei Alltagsproblemen und vermittelnde Gespräche mit Ausbildern, Lehrkräften und Eltern. Heike Krisztian, Vertreterin der technischen Bildungsstätte der SIHK: „Es entstehen für den Auszubildenden keine Kosten, das Einzige, was er mitbringen muss, ist: Engagement und Motivation, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Teilnahmevoraussetzung ist, dass man von der ‚BaE‘ vorgschlagen wird. Die Ausbildung findet dann in den Werkstätten des Bildungsträgers oder in Zusammenarbeit mit einem anerkannten Ausbildungsbetrieb statt. Zusätzlich besucht man eine Berufsschule.“

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