Trotz Öffnung: Wirte im MK sehen strenge Vorgaben als großes Problem

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Tanja Dickel, Wirtin im Kaffee-Fabriksken und im „Langen Gang“, bezweifelt, dass sich der Aufwand der Wiedereröffnung unter strengen Auflagen lohnt.

Lüdenscheid - Die Gastwirte hatten die für Montag angekündigte stufenweise Öffnung von Kneipen und Restaurants einerseits ersehnt. Andererseits: Jubelgesänge hören sich anders an.

In einer Stellungnahme des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Westfalen heißt es unter anderem, dass „in absehbarer Zeit vermutlich kein nennenswertes Geschäft“ zu machen sei. Nun warten die Wirte auf eine konkrete Rechtsverordnung, mit der sie arbeiten können. 

Aber auch die Stadt, die die Rechtsverordnung der Landesregierung vor Ort umsetzen und den heimischen Gastronomen Handlungsanweisungen für einen wirkungsvollen Infektionsschutz geben muss, ist noch in Warteposition. Wie Pressesprecher Sven Prillwitz bestätigt, gibt es noch keine Nachricht aus Düsseldorf. 

Tanja Dickel, Wirtin in der Altdeutschen Bierstube („Langer Gang“) und im Kaffee-Fabriksken in der Oberstadt, sieht nach eigenen Worten „keinen großen Sinn“ darin, ihre Betriebe so stark eingeschränkt wieder zu öffnen. „Ich habe keine Soforthilfe bekommen und kein Kurzarbeitergeld.“ Immerhin: Eine Monatsmiete sei ihr gestundet worden, so die Gastronomin. 

Vier Festangestellte und vier Aushilfen wollen bei Tanja Geld verdienen. „Aber wenn ich im ‘Langen Gang’ die Regeln einhalte und eine Person pro zehn Quadratmeter reinlasse, habe ich acht Gäste. Dafür muss ich dann irren Aufwand treiben.“ 

Nach dem Lockdown habe sie innerhalb von zwölf Stunden Waren im Wert von 6000 Euro wegschmeißen müssen. Tanja Dickel: „Das und zwei Monate ohne Umsätze, das kann mir niemand wiedergeben.“ 

Auch Jürgen Wigginghaus, der mit Nanni Lange die Gaststätte Dahlmann betreibt und voraussichtlich im Sommer in den Kirchhahn am Vogelberg wechselt, wird an der Grabenstraße wohl noch einmal kurz öffnen. „Aber was hier läuft, ist eigentlich nur eine Alibi-Unterstützung. Das wird nicht helfen, den Laden kostendeckend am Leben zu erhalten.“ 

Nanni und Jürgen rechnen ab Montag nicht mit großen Umsätzen. Vermutlich reduzierte Öffnungszeiten und die Tatsache, dass wochentags die Stammtische ausbleiben und damit das Kerngeschäft wegfällt, stimmen das Paar nicht optimistisch. Wigginghaus: „Erstmal stellen wir die Tische um, um Platz für Abstände zu schaffen.“ 

In einem Newsletter an die Mitgliedsbetriebe spricht Dehoga-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Henke von „sehr strengen Auflagen“ und Umsätzen, die voraussichtlich „höchstens 20 bis 50 Prozent des Normalen“ ausmachen dürften. 

Deshalb setze sich der Verband „weiterhin für eine effektive, finanzielle Soforthilfe in Form eines Rettungsschirms“ ein. Daneben fordert der Hotel- und Gaststättenverband „einen gesetzlichen Anspruch auf Pacht- und Mietminderung“ für eine gerechte Risikoverteilung. 

„Momentan tragen die Gastronomen und Hoteliers das alleinige Risiko, dass der Staat die Betriebe (...) geschlossen hat.“

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