Überraschendes Ende eines Prozesses:

Trotz DNA-Treffers: Raubüberfall auf Tankstelle in Lüdenscheid nicht aufgeklärt

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Ob der Raubüberfall auf diese Tankstelle im Rahmedetal jemals aufgeklärt wird, ist nach dem Freispruch eines Verdächtigen fraglich.

Lüdenscheid - Der Raubüberfall auf die Total-Tankstelle im Rahmedetal am 26. Oktober 2018 bleibt zunächst unaufgeklärt.

Die 6. große Strafkammer des Hagener Landgerichts hat den Angeklagten (24) gestern mangels Beweisen von den Vorwürfen freigesprochen. 

Nun muss er sich „nur“ noch wegen versuchter Körperverletzung und tätlichen Angriffs auf Justizbeamte im Gefängnis verantworten. Das Urteil: sechs Monate ohne Bewährung. 

Mehr zum Prozess gegen den Tatverdächtigen

Damit erweist sich auch das vermeintlich sicherste Indiz für die Schuld des Lüdenscheiders an dem Raubzug als unwirksam. Die DNA-Spuren an der Stoffmaske, die einer der Täter am Tatort zurückgelassen hatte, sprechen zwar für eine Beteiligung des Angeklagten an dem Verbrechen. Ein Kriminalbiologe des Landeskriminalamtes hatte einzelne Spuren unzweifelhaft dem 24-Jährigen zugeordnet. 

Doch es fand sich weitere DNA von zwei anderen Personen an dem Beweisstück. Die Frage, wer die Maske zuletzt und vor allem bei dem Überfall getragen hat, bleibt damit unbeantwortet. 

"Sie hatten die Maske, und Sie haben Sie getragen"

Die Vorsitzende Richterin, Dr. Bettina Wendlandt, sagt zum Angeklagten: „Sie hatten die Maske, und Sie haben sie auch getragen.“ Als Nachweis für eine Tatbeteiligung reiche das jedoch nicht. Das sieht die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer anders. 

Sie habe „keine vernünftigen Zweifel“ an der Schuld des 24-Jährigen. Über die Maske sagt sie: „Das war ein extra zugeschnittenes Stück Stoff mit Augenlöchern und nicht etwa eine handelsübliche Sturmhaube, die man zufällig im Geschäft aufprobiert.“ 

Die einzige Unsicherheit bei der Einschätzung des Überfalls sei die Tatsache, dass nicht erwiesen sei, ob wirklich eine geladene scharfe Schusswaffe im Spiel war. 

Während die Staatsanwältin für den Raub sowie die Attacke auf die Justizvollzugsbeamten eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten beantragt, stützt sich die Dortmunder Strafverteidigerin Jennifer Schönborn im Hinblick auf den Hauptvorwurf in ihrem Plädoyer auf die Unsicherheit bei der Bewertung der DNA-Spuren. 

Verteidigerin beantragt Freispruch

Nur ein Teil des sichergestellten Erbmaterials stamme von ihrem Mandanten, „das reicht nicht für einen Nachweis“. Im übrigen sei er am Tatort nicht erkannt worden. Schönborns Antrag: Freispruch. 

Der Angeklagte entschuldigt sich in seinem letzten Wort vor der abschließenden Beratung der Kammer erneut für seinen Übergriff im Knast. Über den Tankstellen-Überfall sagt er leise: „Das bin ich nicht gewesen.“ 

Dr. Bettina Wendlandt bezeichnet die DNA-Spuren an der Maske in ihrer Urteilsbegründung als „äußerst schwaches Indiz“. Solche Spuren ließen sich nicht einordnen „wie Jahresringe, Sedimente oder Schichten“. 

Freispruch "zweiter Klasse"

Schwachstellen bergen demnach auch Zeugenangaben über die Größe des Räubers. „Die Körpergröße passt auch auf andere“, ebenso die Information über dunkle Haare. 

Es bleibt ein „Freispruch zweiter Klasse“, auch das macht die Richterin dem Verurteilten abschließend klar. Dr. Wendlandt: „Wir sind nicht überzeugt davon, dass Sie es nicht waren, aber das ändert nichts an den Folgen.“

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