Trotz 1346 Unterschriften: Hauptschule soll auslaufen

Die Albert-Schweitzer-Hauptschule ASH soll zum nächsten Schuljahr keine neuen Kinder mehr aufnehmen. Das beschloss der Schulausschuss am Dienstagabend einstimmig.

LÜDENSCHEID ▪ Ab sofort beginnt die Stadtverwaltung mit den Vorbereitungen zur Auflösung der Albert-Schweitzer-Hauptschule (ASH). Der Schulausschuss beschloss diesen Auftrag am Dienstagabend einstimmig. Die Gegenargumente der Schulkonferenz, vorgetragen von Schulleiter Norbert Lienesch und unterstützt von 1346 Unterschriften aus der Stadt, änderte daran nichts mehr.

Die Politiker folgten stattdessen der Argumentation von Schuldezernent Dr. Wolfgang Schröder. Er nannte den Bevölkerungsrückgang und die rückläufigen Schülerzahlen als Gründe für die Entscheidung, die ASH ab Mitte 2012 auslaufen zu lassen. Zugleich wolle man die Schulform in Lüdenscheid erhalten, also an der Ganztagshauptschule Stadtpark festhalten, in der die ASH innerhalb von zwei bis drei Jahren aufgehen soll. Für mindestens zehn Jahre werde diese Schule dann Bestand haben; weiter könne man heute nicht blicken, sagte Dr. Schröder. Für die ASH müsse die Verwaltung bei zuletzt noch 17 Anmeldungen dagegen „die Reißleine ziehen“.

Lienesch hielt dem entgegen, dass die Schülerzahlen für die Hauptschule wieder steigen würden – wegen der aktuell zahlreichen Anmeldungen von Kindern mit Hauptschul-Empfehlungen der Grundschulen an Realschule und Gymnasium. Dies werde absehbar für hohe Rückläufe sorgen. Hauptschüler bräuchten zudem überschaubare Größenordnungen, „auch die Eltern der integrativen Lerngruppe sorgen sich“, andere Eltern hätten sich bewusst für die ASH als Halbtagsschule entschieden. Und: Unter unfreiwilligen Wechseln litten Schüler besonders, das habe sich nach der Aufnahme von Kindern der aufgelösten Hauptschule Wefelshohl auch an der ASH gezeigt. Lienesch: „Hier wird zu Lasten ohnehin benachteiligter Schüler gespart, ohne auf Folgekosten zu schauen.“

Norbert Adam (CD) erklärte, es sei zwar schmerzlich für die Schweitzer-Schule, dass sie trotz guter Arbeit auslaufen müsse, aber: „Die Schulform Hauptschule bleibt erhalten, dem Elternwillen wird auf zehn Jahre hinaus Rechnung getragen.“ Ulf Illhardt (Lüdenscheider Liste) erinnerte, es gebe neben der Stadtpark-Hauptschule dann noch die christliche und den Hauptschulzweig der Gesamtschule.

Rolf Breucker (SPD) und Ulrich Neuhaus (Grüne) sagten, dass künftig auch die Chancen zu berücksichtigen seien, die das neue Schulgesetz biete – gemeint war die Sekundarschule. Und Anette Schwarz (FDP) meinte, dass die hervorragende Arbeit der Schweitzer-Hauptschule auch am neuen Standort am Stadtpark ihre Fortsetzung finden könnte.

Aus dem ASH-Kollegium, das die Sitzung gemeinsam mit Eltern verfolgte, wurde genau das bezweifelt: Viele Lehrer seien nahe an der Pensionsgrenze, auch jüngere könnten nicht wie selbstverständlich einem dann vergrößerten Stadtpark-Kollegium zugerechnet werden, hieß es. Zudem würden viele Schüler erhebliche Probleme mit dem Wechsel in den anderen Stadtteil und dem damit längeren Schulweg bekommen.

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