Trockener Wald macht Förstern große Sorgen

Viele Bäume um die Waldbühne waren im vergangenen Jahr die prominentesten Opfer von Borkenkäferbefall. Für das Forstamt Lüdenscheid sind solche „Maßnahmen“ zur Verhinderung der Ausbreitung des Schädlings jedoch Alltag in den heimischen Wäldern.

LÜDENSCHEID ▪ Die lange Trockenheit sorgt für eine ständig steigende Brandgefahr nicht nur in den heimischen Wäldern: In NRW wurde inzwischen die Stufe 4 auf einer fünfstufigen Gefährdungsskala ausgerufen.

Direkte Auswirkungen auf die Bevölkerung hat dies nicht. Doch Richard Nikodem, Fachgebietsleiter beim Forstamt Lüdenscheid, setzt auf die Märker, die hohe Bevölkerungsdichte und die Siedlungsstruktur des Märkischen Sauerlandes, wenn es um das frühzeitige Erkennen eines Brandherdes geht: „Man sieht hier immer auf einen Berg“, sagte er gestern pointiert im Gespräch mit den LN. Dazu kommt der aufmerksame Blick von 17 Reviermitarbeitern des Forstamtes, die „dauernd unterwegs“ seien. Wer gerade nicht im Dienst ist, ist doch zumindestens in Rufbereitschaft. Die Chancen, einen Brand frühzeitig zu entdecken, seien groß, sagt Richard Nikodem. Der bereits erwähnte unvermeidliche Blick auf die Berge lasse das Fehlen von Feuerwachttürmen in den Wäldern ringsum verschmerzen. Andererseits gebe es eine Reihe von Faktoren in den heimischen Wäldern, die die schnelle Ausbreitung eines Brandes begünstigen würden: Immer noch als Folge des Sturms „Kyrill“ liege noch viel „Schlagabraum“ in den Wäldern. „Das ist richtig schön trocken.“ „Wie Zunder“ wirke auch eine bis zu zehn Zentimeter dicke Schicht aus trockenen Fichtennadeln auf dem Waldboden, die sich nur sehr langsam zersetze.

Die Trockenheit erschwere zudem die Versorgung mit Löschwasser – Teiche, die normalerweise von Bachläufen gespeist würden, hätten nicht mehr überall die übliche Wassermenge. Im Ernstfall muss Löschwasser deshalb je nach Einsatzort über große Strecken hinweg herantransportiert werden.

Dazu gelten im Wald nicht nur in Trockenzeiten, sondern immer vom 1. März bis zum 31. Oktober die bekannten Warnhinweise, an die sich bekanntermaßen vernünftige Mitbürger sowieso halten. Allen anderen winken saftige Geldbußen: Offenes Feuer oder Grillen im Wald oder in weniger als 100 Metern Abstand zum Wald kostet bis zu 1000 Euro, Zigarettenrauchen im Wald liegt bei 80 Euro. Von möglichen Schadensersatzforderungen nach einem Brand ganz abgesehen. Auch an die Gefährlichkeit heißer Autokatalysatoren über trockenem Untergrund muss immer wieder erinnert werden. Dass nicht alle die kritische Lage nach bereits drei kleineren Bränden in den Nachbarstädten erkannt haben, macht eine Anfrage deutlich: Den Wunsch nach einem Feuerwerk in der Nähe eines Waldes habe er zurückweisen müssen, plaudert Richard Nikodem aus dem Alltag einer Forstbehörde. Eine Sperrung ausgewählter Waldgebiete im Stadtgebiet hält er nicht für sinnvoll: „Als Besucher kann man im Brandfall über das dichte Wegenetz immer noch entkommen.“

Sorgen macht sich der Forstexperte auch um viele Neuanpflanzungen auf den Freiflächen, die der Sturm Kyrill hinterlassen hat. Hunderttausende Bäumchen seien gesetzt worden, die mangels tieferer Verwurzelung längst noch nicht die gleiche Widerstandskraft gegen Trockenheit hätten. „Die sind empfindlicher als die natürliche Verjüngung“, sagt Nikodem. Und: „Wenn die vertrocknen, fangen wir von vorne an.“ Gegen den Verlust von „viel Geld und Arbeitskraft“ helfe nur Regen – und der müsste möglichst bald fallen. Ergiebig wie ein schöner hartnäckiger Landregen sollte er sein. Platzregen nach einem Gewitter laufen zu schnell ab. ▪ thk

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