Trauerfeier wird per Video nach nebenan übertragen

Ralf Wendland (li.) und Heino Lange in dem dekorierten Erweiterungsbau, der aus zwei Containern besteht.

LÜDENSCHEID ▪ Die Kapelle auf dem Waldfriedhof Loh ist abgerissen, die neue soll Anfang Oktober stehen. Doch der Tod wartet nicht.

Für Trauerfeiern gibt es zwar die Trauerhalle der Feuerbestattung Sauerland unterhalb des kommunalen Friedhofes. Sie ist aber nur halb so groß wie die Kapelle. Daher steht an der Halle jetzt ein Erweiterungsbau, in den Feiern übertragen werden. Auf einem großen Flachbildschirm können Hinterbliebene dort auf gut 30 Plätzen Reden und Musik von nebenan in Echtzeit verfolgen, aufgenommen von einer TV-Kamera. Das Objektiv hat dabei das Pult, den Sarg oder die Urne sowie die ersten Reihen im Blick.

„Wir haben bisher noch keine Kritik gehört“, berichtet Ralf Wendland, Geschäftsführer der Feuerbestattung Sauerland, über erste Erfahrungen. „Meist nahmen die Hinterbliebenen unmittelbar in der Trauerhalle Platz, Arbeitskollegen und Bekannte dann hier.“ Heimische Bestatter, die zunächst skeptisch reagierten, würden auch größeren Gesellschaften die Trauerfeier am Krematorium jetzt empfehlen – trotz der ungewöhnlichen TV-Lösung.

Deren Vorteil liegt auf der Hand: Die räumliche Nähe von Trauerfeier und Friedhof erspart gerade großen Gesellschaften viele Umstände, von langen Wegen bis hin zur Parkplatzsuche. Von 100 Trauerfeiern mehr geht die Feuerbestattung Sauerland in ihren Räumen aus. Bis die neue Kapelle steht, werden sie auch genutzt, wenn nach der Feier eine Erdbestattung ansteht. Beide Gebäude bieten rund 80 Plätze.

Die Erweiterung wird nur für ein halbes Jahr gebraucht und besteht daher aus zwei Mietcontainern, die einen Raum bilden. Große Fensterflächen und dezente Dekoration sollen dem Charakter eines Provisoriums entgegenwirken. „Das würdevolle Ambiente ist das Wichtigste“, sagt Wendland. Daher schied für ihn auch eine zunächst überlegte Zelt-Lösung aus.

Indes wird mit Hochdruck die neue Kapelle gebaut, berichtet Heino Lange, Leiter des Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetriebs STL. Schon im Mai würden erste Mauern hochgezogen. Baukosten: 370 000 Euro. Mit der Zentralen Gebäudewirtschaft der Stadt habe man bei der Planung den besonderen Charakter dieses Neubaus berücksichtigt, sagte Lange. Es werde wieder eine Empore für Redner geben, Fenster bis fast auf die Grundmauern – und Kirchenbänke.

Die Trauer-Container haben dann ausgedient. „Sie werden einfach wieder abgeholt.“

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