Traffic Deadline : „Ersparen Sie sich das!“

Das sind die Überreste des Wagens von Franz-Dominikus Vandrey nach seinem Unfall

LÜDENSCHEID ▪ „Papa, warum sie?“ – Als Andreas Keiligs Tochter ihrem Vater diese Frage stellte, wusste auch er keine Antwort. Zum ersten Mal sprach er beim Jugendforum „Traffic Deadline“ am Donnerstag öffentlich über den Unfalltod seiner Frau und die schlimmen Folgen für ihn und seine Familie.

Keilig war zusammen mit seiner Frau, seiner damals sechsjährigen Tochter und ihrer Urgroßmutter in einem Kleinwagen unterwegs, als sie mit dem Auto eines 20-Jährigen zusammenprallten, der viel zu schnell unterwegs war. Statt der erlaubten 75 raste der junge Mann mit 140 Stundenkilometern durch die Gegend. Dieser Leichtsinn hatte schwerwiegende Folgen: Sowohl die Mutter als auch die Urgroßmutter starben.

Andreas Keilig kam zwar mit dem Leben davon, wurde aber schwer verletzt. Die Zeit nach dem Unfall verlief für ihn „wie im Film“, er „funktionierte“ nur noch, um für die Kinder da zu sein. Auf seinen zu dieser Zeit zweijähriger Sohn passten zum Zeitpunkt des Unglücks die Großeltern auf. Aber natürlich verstand auch er nicht, wieso seine Mutter plötzlich nicht mehr da war.

Mittlerweile liegt der Unfall 14 Jahre zurück, doch noch immer bestimmen die Folgen das Leben der Familie. Seine heute 20-jährige Tochter musste damals mit ansehen, wie ihre Mutter verblutete. Als vor Kurzem die ersten praktischen Fahrstunden anstanden, musste sie erst einmal die Angst im Straßenverkehr nieder kämpfen. Und wenn Keiligs Sohn sich den Wagen vom Vater ausleihen will, sagt er zwar: „Nimm nur, du brauchst die Übung.“ Aber innerlich sträubt sich alles in ihm dagegen.

Die Schüler waren sichtlich bewegt, auch weil Keilig in seiner Präsentation Fotos aus der Zeit vor dem Unfall zeigte, die eine glückliche, unbeschwerte Familie zeigten.

Auch Franz-Dominikus Vandrey, der mittlerweile Mitvorsitzender des Interessenverbandes für Unfallverletzte ist, wurde zum Opfer eines rücksichtslosen Fahrers, der viel zu schnell fuhr. Er war mit seiner Frau auf der A 10 in Richtung Rostock unterwegs, als der Wagen von einem anderen an der Fahrerseite gerammt wurde. Der 25-jährige Fahrer fuhr 70 Stundenkilometer mehr, als erlaubt. Vandreys Wagen flog von der Autobahn und knallte auch noch mit der Beifahrerseite gegen einen Baum. Kurz vorher hatte das Ehepaar die Nachricht erhalten, dass die Frau im dritten Monat schwanger war. Wie durch ein Wunder kam sie an diesem Tag mit leichten Verletzungen davon und auch dem ungeborenen Kind passierte nichts.

Vandrey selbst traf es wesentlich schlimmer: Er erlitt lebensbedrohliche Verletzungen, unter anderem mehrere Knochenbrüche, Prellungen und ein Schleudertrauma. Während seines Vortrags präsentierte er den Schülern ein ganzes Sammelsurium von Nägeln und Schrauben, die ihm nach dem Unfall eingesetzt wurden.

Vor allem machte er deutlich, dass so ein Verkehrsunfall das ganze weitere Leben beeinflusst. Ein solches Erlebnis hat Folgen aufs Privatleben, auf den Beruf, auf die finanzielle Situation und natürlich auch auf die Psyche. „Ersparen sie sich das!“, bat er die Schüler eindringlich.

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