Totschlag-Prozess: Kleiner Hoffnungsschimmer für Angeklagten

Lüdenscheid -  Der zweite Prozesstag in seinem Strafverfahren endete für den Angeklagten mit einem kleinen Hoffnungsschimmer. Die Vorsitzende des Schwurgerichts, Richterin Heike Hartmann-Garschagen, erteilte dem 39-Jährigen und seinem Verteidiger Frank-Peter Rüggeberg den rechtlichen Hinweis, dass statt einer Verurteilung wegen versuchten Totschlag auch ein Richterspruch wegen gefährlicher Körperverletzung in Frage kommen könnte.am Freitag

Dazu hat offenbar die Einschätzung des Dortmunder Rechtsmediziners Dr. Ralf Zweihoff beigetragen.

Der 55-jährige Experte ließ sich am Freitag als Sachverständiger ausführlich darüber aus, wie ein Ersticken – wie etwa durch ein Kopfkissen auf die Atemwege gepresst – vonstatten geht. Zweihoff unterteilte die tödliche Handlung, die Rechtsmediziner „weiche Bedeckung“ nennen, in vier Phasen, die jeweils ein bis zwei Minuten dauern.

Die erste Phase, die noch keine Gefährdung des Lebens bewirke, bestehe aus Atemnot, lauten Atemgeräuschen oder Blaufärbung des Gesichtes. Die 37-Jährige hatte stets behauptet, sie sei etwa eine Minute lang am Luftholen gehindert worden. Doch sie begab sich nach dem Angriff des betrunkenen und wütenden Partners nicht zum Arzt. Ein medizinischer Befund liegt also nicht vor. Im Zeugenstand wiederholte sie am Freitag lediglich, ihr sei unter dem Kopfkissen schwindelig geworden.

Ob ihre trotzdem belastende Aussage der Wahrheit entspricht, darüber hat das Schwurgericht ein aussagepsychologisches Gutachten erstellen lassen. Simone Gallwitz vom Institut für Forensische Psychologie in Dortmund hat sich „sehr eingehend“ mit der Psyche sowohl der Mutter als auch der heute zwölfjährigen Tochter befasst, wie sie sagt.

Weder bei der 37-Jährigen, arbeitslos und drogenabhängig, noch bei dem Mädchen, das seit der Tat in einer Pflegefamilie lebt, hat die Psychologin Anzeichen für eine überschießende Belastungstendenz, für einen Hang zur Falschaussage oder gar ein Komplott gegen den Angeklagten entdeckt. Die Angaben der Mutter seien „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ glaubwürdig, das Aussageverhalten des Kindes sei „konstant“.

Ohnehin hatte der gelernte Maler und Lackierer die Geschichte mit dem Kissen nie abgestritten, eine Tötungsabsicht aber schon zu Beginn des Prozesses weit von sich gewiesen. Und was die anderen Anklagepunkte angeht: Eine Vielzahl von Zeugen hat letzte Zweifel am Vorwurf der versuchten schweren Brandstiftung oder der Bedrohung mit dem Schwert am Freitag zerstreut. - omo

Der Prozess wird am Montag um 11 Uhr im Saal 201 des Landgerichtes fortgesetzt.

Olaf Moos

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