Torsten Sträter gewinnt Poetry-Slam

Die Poetry-Slammer trafen sich im Dahlmann-Saal.

LÜDENSCHEID - Es gibt an diesem Abend im Saal der Gaststätte Dahlmann noch nicht einmal den schon viel zu oft strapazierten Blumentopf zu gewinnen. Sie kommen einfach so, für die Frikadelle backstage, die Cola und den Spaß. Und sie lassen etwas da, was das Publikum mit nach Hause nimmt: Worte. Am Donnerstagabend sind es hunderte davon, mit denen die Poetry-Slammer ihr Volk amüsieren. Vermutlich eher tausende, zählen wird sie niemand.

Der Saal ist voll, das Publikum Bier trinkend und erwartungsfroh. Die nächste halbe Stunde wird das auch so bleiben, startet doch der Wettstreit, wenn man ihn dann so nennen möchte, mit gut halbstündiger Verspätung. Dichterfreiheit halt... Dann endlich die Anmoderation. Marian Heuser von der Münsteraner „Gemüsekultur“ und geborener Lüdenscheider erläutert wortreich die Veranstaltung und ihre Spielregeln. Erste Gedanken schleichen sich zwischen Groß- und Kleinhirn, ob wohl die restriktive Redezeit von sechs Minuten auch für den Moderator gilt. Jurykärtchen werden verteilt, das Volk soll abstimmen, was gefällt und was nicht. Zum Warmwerden singt der „Wolf“ aus Dortmund. Rapper, DJ aus dem Dortmunder Brückstraßenviertel, weite Hosen und Mütze, „Gibt‘s doch gar nicht“ und „Oh shit, Frau Schmidt“ – man kennt ihn. Die Akustik ist ziemlich schlecht. Zu viel Bass, aber das gibt sich später.

Irgendwie will das mit dem Warmwerden nicht klappen. Vielleicht liegt‘s auch an dem Text, den der erste Slammer des Abends in seinen sechs Minuten runterrasselt. Das Lüdenscheider Eigengewächs Fabian Paffendorf kommt recht bewegungsarm und mit einem geschmacklich grenzwertigen Vortrag jenseits der Gürtellinie daher. Nun ja, jeder wie er mag. Das Publikum honoriert den Beitrag mit verhaltener Begeisterung.

So richtig nett wird‘s zwei, drei Slammer weiter mit Torsten Sträter, der sich selbst schon damit ankündigt, dass ihm sechs Minuten nicht reichen. Sträter ist in der Szene bekannt, man spürt den Profi sofort. Sein Beitrag aus der „Wenn der Vater mit dem Sohne“-Ecke lebt von kleinen, feinen und in Sprachpirouetten gekleideten Beobachtungen. Zwanzig Sekunden „nach sechs“ stoppt Moderator Marian den akustischen Sträter-Schwall. Schade eigentlich...

Es gibt aber auch die anderen. Die, bei deren Worten die Spanne zwischen Lachen und Denken unglaublich klein ist. Die eine Geschichte erzählen, bei der man den Mann auf dem Nachbarstuhl fragt: „Das hat der jetzt nicht wirklich so gesagt?“ Pascal Hermeler zum Beispiel alias „Jerome“. Er kommt aus Nordwalde, das liegt so zwischen Scheddebrock, Westenfeld und Reckfort. Er erzählt von Betrachtungen im Angesicht des Todes. Das Publikum ist schaurig-still, während er spricht. Auch das ist Poetry-Slam.

Sieben höchst unterschiedliche Vorträge, sieben mal sechs Minuten Wortgewalt. Mit Sina aus Bochum slammt die einzige Frau. Offenbar ist die Wortakrobatik eine Männerdomäne. Um der Chronistenpflicht genüge zu tun: Gewonnen hat am Ende ganz knapp Torsten Sträter. Aber das ist eigentlich egal. Poetry-Slam ist eine Kunst(form) für sich. Einfach beim nächsten Mal hingehen und anhören. Sonst wird man nie wissen, worüber die so reden... - rudi

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