Verdacht der fahrlässigen Tötung

Tod von Niklas (20): Staatsanwalt stellt Ermittlungen gegen Ärztin ein

Niklas Wiebusch (gestorben am 11. November 2019).
+
Niklas Wiebusch (gestorben am 11. November 2019).

Der Tod des 20-jährigen Niklas Wiebusch bleibt ohne strafrechtliche Folgen. Die Ermittlungen gegen eine behandelnde Ärztin wegen fahrlässiger Tötung wurden von der Staatsanwaltschaft Hagen eingestellt.

Lüdenscheid – Am 11. November 2019 stellen die Ärzte im Uniklinikum Essen die Maschinen ab. Es ist der offizielle Todestag von Niklas Wiebusch aus Schalksmühle-Dahlerbrück, der zu diesem Zeitpunkt schon seit mehreren Tagen im Koma liegt.

Der bis dahin kerngesunde junge Mann wird mitten aus dem Leben gerissen. Sein Vater fährt ihn am 30. Oktober 2019 wegen starker Kopfschmerzen zum Klinikum Lüdenscheid. Dort wird er nach Behandlung in der Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung wieder nach Hause geschickt. In der Nacht kehrt Niklas Wiebusch nach Hellersen zurück – diesmal im Rettungswagen.

Von der Zentralen Notaufnahme geht es direkt auf die Intensivstation des Klinikums. Sein Zustand hat sich dramatisch verschlechtert. Stunden später fällt er ins Koma, aus dem er nicht mehr aufwacht. Aufgrund des schweren Verlaufs wird der Patient noch am selben Tag ins Uniklinikum Essen verlegt. Nach mehreren vergeblichen Operationen stirbt er. Niklas Wiebusch wird nur 20 Jahre alt. (Die ganze Geschichte kann man hier nachlesen).

Nach einer Strafanzeige leitet die Staatsanwaltschaft Hagen ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung ein. Der Leichnam von Niklas Wiebusch wird exhumiert und obduziert. Die Ermittlungen richten sich gegen die Ärztin, die den jungen Mann am Mittag des 30. Oktober wieder nach Hause entließ, ausdrücklich nicht gegen Ärzte der Märkischen Kliniken oder der Uniklinik Essen. Wie Staatsanwalt Dr. Gerhard Pauli auf Anfrage bestätigt, wurde das Ermittlungsverfahren inzwischen eingestellt. Grundlage des Einstellungsbeschlusses vom 16. Dezember 2020 ist ein medizinisches Gutachten.

Ein Sachverständiger kommt darin zu dem Ergebnis, dass die Behandlung nicht ausreichend dokumentiert wurde und differenzialdiagnostisch nicht korrekt verfahren wurde, wie Pauli berichtet. Entscheidend für die Einstellung des Ermittlungsverfahrens war jedoch ein anderer Aspekt: „Selbst wenn die eitrige Hirnhautentzündung korrekt diagnostiziert worden wäre und die Behandlung sachgerecht durchgeführt wurde, kann nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass der Patient nicht trotzdem verstorben wäre“, sagt der Oberstaatsanwalt.

Niklas Wiebusch.

Solche Krankheitsverläufe einer Hirnhautentzündung träten gerade bei jungen Menschen immer wieder auf und könnten innerhalb weniger Stunden zum Tod führen. Es gebe daher aus Sicht des Gutachters keinen strafrechtlich relevanten Zusammenhang zwischen einem möglichen Fehlverhalten der behandelnden Ärztin und dem Tod des Patienten. Eine Anklage verspricht demnach keine Aussicht auf eine Verurteilung.

Für Mario Wiebusch, Vater des Verstorbenen, waren die vergangenen Monate eine einzige Qual. Der schmerzvolle Verlust seines Sohnes und die Unsicherheit, wie es mit den Ermittlungen vorangeht, belasteten ihn schwer. Mit der Einstellung des staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens möchte Wiebusch einen Schlussstrich ziehen. „Niklas braucht jetzt seine Ruhe“, sagt Wiebusch, der sich vor allem eines wünscht: Eine ehrliche Entschuldigung, damit auch er seinen Frieden schließen kann mit den Geschehnissen vom 30. Oktober 2019.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare