Haft gefordert

Tod in Lüdenscheid: Chef belästigt Ex-Kellnerin die ganze Nacht - dann lässt sie ihn rein

Vorbereitung auf Obama-Besuch
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Der Tatort wurde von der Spurensicherung überprüft (Symbolbild).

Er stellte ihr jahrelang nach. In der Mordnacht ließ er sie bis 5 Uhr nicht in Ruhe. Dann öffnete die Ex-Kellnerin ihrem Chef die Tür.

Lüdenscheid - Im Schwurgerichtsprozess gegen einen 42-jährigen Lüdenscheider hat Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn am Mittwoch eine Haftstrafe von 13 Jahren beantragt. „Man kann nicht mit der erforderlichen Sicherheit feststellen, dass hier ein Mordmerkmal vorliegt“, plädierte der Vertreter der Anklage für eine Verurteilung wegen Totschlags.

In einem leidenschaftlichen Plädoyer sah er aber auch keinen Anlass für eine weitere Minderung der Strafe: In seinem psychiatrischen Gutachten habe der Sachverständige Dr. Nikolaus Grünherz eine „Affekttat“ zwar nicht ausgeschlossen. Das könne aber nicht dazu führen, dass man dem Beschuldigten nach dem Prinzip „Im Zweifel für den Angeklagten“ eine solche Affekttat zugesteht.

Tod in Lüdenscheid: Täter stellte seinem Opfer jahrelang erfolglos nach

„Es könnte alles so sein, aber wir haben überhaupt nichts Greifbares, um das zu unterstreichen“, sagte der Oberstaatsanwalt und machte deutlich, was es heißt, wenn ein Täter von seinen Gefühlen übermannt wird und „nicht mehr einsehen kann, was er da tut“: „Ein Affekt ist eine absolute Ausnahmesituation.“

Davon könne aber nicht die Rede sein. Deshalb sei der Angeklagte voll schuldfähig und wegen Totschlags zu verurteilen. Eine Verurteilung wegen Mordes schloss auch der Oberstaatsanwalt aus, weil die dafür erforderlichen „Mordmerkmale“ nicht festgestellt werden können. „Die genauen Einzelheiten der Auseinandersetzung können von uns gar nicht rekonstruiert werden.“

Die blutige Tat setzte den Schlusspunkt einer jahrelangen Bekanntschaft, in deren Verlauf der Angeklagte dem Opfer jahrelang „unverhohlen“ und letztlich erfolglos nachstellte. „Es kam nie zu einer Intimbeziehung.“ Dass das spätere Opfer sich stattdessen anderen Männern zuwandte, schuf „eine Situation, die der Angeklagte nicht verwinden konnte“. In der Nacht zum 25. Februar 2019 habe er das Opfer „die ganze Nacht lang belästigt“ – bis sie sich keinen anderen Rat mehr wusste, als ihn gegen fünf Uhr morgens in ihre Wohnung zu lassen.

Der Prozess

Ein 42-jähriger Lüdenscheider muss sich erneut wegen eines Tötungsdeliktes vor einer Schwurgerichtskammer verantworten. In einem ersten Urteil war er wegen Mordes an einer 44-jährigen Bekannten zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Die Richter kamen zum Ergebnis, dass er das Opfer am frühen Morgen 25. Februar 2019 aus einem Besitzdrang heraus und damit „aus niederen Beweggründen“ erwürgt hatte. Der Bundesgerichtshof hob die Verurteilung wegen Mordes jedoch mit Hinweis auf einen vorangegangenen Streit auf.

Tod in Lüdenscheid: Oberstaatsanwalt fordert 13 Jahre Haft

Nach dieser Vorgeschichte habe er nicht erwarten können, dass sie ihn „freudestrahlend und mit Komplimenten“ empfing. Insofern sei es schon denkbar, dass der Angeklagte mit bösen Worten empfangen worden sei. Von „Hurensohn“ und der Behauptung, er sei „kein richtiger Mann, sondern ein Zwerg“ hatte der Angeklagte selber berichtet. Der Oberstaatsanwalt zeigte sich allerdings weit entfernt davon, in solchen Äußerungen einen nachvollziehbaren Grund für eine solche Bluttat zu sehen. Selbst der „Hurensohn“ habe in Zeiten universeller Pöbelei in den sozialen Medien seine „Beleidigungskraft“ eingebüßt. So lautete das Fazit des Oberstaatsanwalts: „Es war eine Tötung auf absolut nichtiger Basis.“ Mit dem Strafantrag von 13 Jahren blieb er zwei Jahre unter der für einen Totschlag zu verhängenden Höchststrafe von 15 Jahren. Zum hohen Strafantrag trug auch „der nachträgliche Triumph des Täters über das Opfer“ bei.

Vertagt werden musste der Schlussvortrag von Rechtsanwalt Dirk Löber. Er war erkrankt und musste einen Vertreter schicken. Mit dem Plädoyer des Verteidigers, dem letzten Wort des Angeklagten und dem Urteil soll der Prozess am 28. Dezember zu Ende gehen.

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