Kanarische Inseln statt Lockdown

Warum dieser Mann jeden Tag Zeitungen zerreißt

Timothy Thomson Lüdenscheid Zauberer LN Zeitung
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Der Lüdenscheider Berufszauberer Timothy Thomson geht Ende des Monats wieder an Bord eines Kreuzfahrtschiffs.

„Betriebsgeheimnis“, sagt Tim Kahlert mit einem charmanten Lächeln, packt einen Stapel Lüdenscheider Nachrichten aus dem August unter den Arm und geht zu seinem Auto. In Lüdenscheid firmiert er seit Jahren unter dem Namen Timothy Thomson – und ist Berufszauberer.

Lüdenscheid - Auch für ihn bedeutet der Lockdown Auftrittsverbot. Aber nicht mehr lange. Und bis der Wunderverkäufer wieder auf einer Bühne steht, ist Zeitungsarbeit angesagt. „Ich möchte ein klassisches Kunststück einstudieren – die zerrissene und wieder hergestellte Zeitung. Da ist natürlich ein Trick dahinter. Deshalb wird immer ein Exemplar zerrissen und kann nicht mehr benutzt werden“, war der Lüdenscheider auf der Suche nach ausgedienten Zeitungen. Die Shows müssen neu zusammengestellt werden, will man Corona-konform zaubern. Publikumskontakt ist nicht mehr das Gebot der Stunde. Keiner darf auf die Bühne, nichts wird übergeben, viele Kunststücke fallen aus.

Am 20. November fliegt Timothy Thomson von Düsseldorf aus nach Gran Canaria, um an Bord eines Kreuzfahrtschiffes zwischen den Kanarischen Inseln – kein Risikogebiet mehr – hin und her zu fahren und pro Reise mehrere Shows zu geben. Corona-Test für den Flug, nur 60 Prozent Auslastung auf dem Schiff, Maskenpflicht, tägliches Fiebermessen – und trotzdem freut er sich darauf, dass „es wieder losgeht“, erwischte ihn doch die erste Corona-Welle auf einem Kreuzfahrtschiff vor Barbados.

„Aber man weiß halt nicht, wie das alles weitergeht“, blickt auch mehr zwiegespalten in die Zukunft eines Kulturschaffenden, „die Anträge auf Unterstützung muss der Steuerberater einreichen, das dauert dann erst einmal. Aber ich wäre mit Unterstützung glücklicher als vorher.“ Im letzten halben Jahr gab er gemeinsam mit seinen Kollegen einige Shows „bis nach Bayern runter. Aber realistisch gesehen geht das finanziell gar nicht. Die Leute sorgen sich um Corona, die wollen während der Show keine Masken und wissen noch nicht einmal, ob die Show am Ende tatsächlich stattfindet. Deswegen kaufen die Leute, wenn überhaupt, Karten nur kurz vorher. Wir sind mit drei Zauberern und einem Techniker unterwegs. Und dann gehst du am Ende mit 47 Euro nach Hause.“

Während des Sommers gab der Lüdenscheider Wunderverkäufer mit seinen Kollegen mehrere Shows.

Trotzdem ist das „Sichtbar bleiben“ wichtiger denn je geworden. Die letzte Zaubershow war am 24. Oktober in Hagen. Am Boden ist der Lüdenscheider nicht: „Gut, für mich wären die Weihnachtsfeiern wichtig gewesen. Manche erwischt das im Moment echt hart, aber es gab immer irgendwelche Unterstützung. Manchmal fällt man dabei durchs Raster, aber manchmal ist

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