Uwe Timm liest und signiert seine Werke

Hoher Besuch im Pfarrsaal St. Joseph und Medardus: Der berühmte Schriftsteller Uwe Timm kam zu einer Lesung.

LÜDENSCHEID ▪ Trotz eines bewegten und überaus erfolgreichen Schriftstellerlebens, das bereits in den frühen 70er Jahren mit dem Roman „Heißer Sommer“ seinen Anfang nahm, realisierte der Autor und Träger des Heinrich-Böll-Preises Uwe Timm auch anlässlich seines 70. Geburtstages keine Autobiographie.

Ein Werk, das einige wichtige Erlebnisse und Stationen seines Lebens zum Thema macht, veröffentlichte er dennoch mit seinem im November bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen Buch „Am Beispiel eines Lebens“, welches überarbeitete Wiederveröffentlichungen von Kurzgeschichten mit stark autobiographischem Einschlag enthält.

Am Freitag war Uwe Timm als einer der bedeutendsten deutschen Gegenwartsautoren auf Einladung der Katholischen Öffentlichen Büchereien in Hagen-Dahl und Lüdenscheid im Pfarrsaal der Gemeinde St. Joseph und Medardus zu Gast. Der Autor, insbesondere durch seine in 20 Sprachen übersetzte und mit Barbara Sukowa in der Hauptrolle verfilmte Novelle „Die Entdeckung der Currywurst“ auch über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, startete seine Lesung mit einer Geschichte aus dem Band „Am Beispiel eines Lebens“, welche einige seiner nachfolgenden Werke, darunter den Roman „Kopfjäger“, stark beeinflusste. Im Mittelpunkt des Textes „Warentermingeschäfte oder Die wunderbare Wirklichkeit der alten Welt“, die durch Timms schnörkellose, aber dennoch treffsichere und filigrane Sprache überzeugt, steht ein Cousin des Erzählers, der sich nach millionenschweren Betrügereien ins Ausland absetzte, aber schließlich doch von der Polizei gefasst wurde. Jener reale Charakter lieferte die Vorlage für Peter Waller, den Protagonisten des Romans „Kopfjäger“.

Im Mittelpunkt der Lesung im Pfarrzentrum stand jedoch der Roman „Halbschatten“, der, eingebettet in eine auf dem Berliner Invalidenfriedhof spielenden Rahmenhandlung, schwerpunktmäßig die Geschichte der Fliegerin Marga Etzdorf erzählt. Anfang der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts ließ sie sich trotz gegenteiliger Überzeugungen von den Nationalsozialisten instrumentalisieren und beging schließlich nach einem unglücklichen Flugfehler – sie landete mit dem Wind – aus Scham darüber Selbstmord. Im Buch wird auch die ständige Rivalität zu der britischen Fliegerin Amy Johnson thematisiert, mit der sie bei ihren Langstreckenflügen nach Asien hin und wieder verwechselt wurde.

Den Anhängern von Uwe Timm, die sich nicht selten in den Literaturkreisen der kirchlichen Büchereien in Hagen-Dahl und Lüdenscheid bereits ausführlich mit den Werken des Autors beschäftigt hatten, brannten im Anschluss an die Lesung noch zahlreiche Fragen auf den Nägeln. Darüber hinaus zeigten sie sich insbesondere von den anschaulichen, plastischen Schilderungen vieler Geschehnisse der dreißiger Jahre sowie des Fliegens im offenen Doppeldecker, das der Autor nie selbst erlebt hat, überaus beeindruckt. Abschließend nahm sich Uwe Timm viel Zeit für persönliche Worte und das Signieren seiner Bücher.

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