Tilman Birr im Wettstreit um die Lüsterklemme

Tilman Birr trat am Abend im Kulturhaus auf.

LÜDENSCHEID - Man merkt deutlich, woher er kommt. Nicht nur die Mundart verrät den Comedian Tilman Birr, sondern auch die Art, wie er seine Texte vorträgt. Er ist Poetry Slammer durch und durch. Worte sind sein Geschäft, aber keine verbal-akrobatischen Meisterleistungen.

Dem Volk, vor allem dem jungen, aufs Maul schauen. Nebensächliche Kleinigkeiten thematisieren. Damit amüsierte der erste der fünf Comedians im Wettstreit um die Lüsterklemme im Garderobensaal des Kulturhauses.

Die Grundkonstanten seines Lebens stellte der gebürtige Frankfurter in seinem Programm „Früher war hier alles Feld“ im mit fast 200 Gästen nahezu ausverkauftem Saal vor. Sein nicht alltäglicher Vorname zum Beispiel. Tilman mit einem „l“ und einem „n“. Und jeden, der dies nicht begriff, schoss er nieder, ließ Birr die Gäste mit Gitarrenbegleitung wissen. Schon in der Grundschule war's die Lehrerin mit dem Namensschild. Eine weitere Konstante war die Aufgabe als Stadtbilderklärer eines Ausflugsdampfers auf der Spree: „Ich bin nach Berlin gegangen, um eine richtig coole Sau zu werden“, was ihm als Frankfurter mit Anpassungsschwierigkeiten allerdings nicht so ganz gelang.

Er selbst bezeichnet sich (auch) als Liedchensinger. Die perfekte Formulierung für einfache Reime und Akkorde, die allerdings so charmant und humorig gedichtet sind, dass es einem die Lachtränen in die Augen treibt. Seitenhiebe gab's in allerlei Richtungen, echte Prügel in Richtung Gangsta-Rap samt „Vollidioten-Ghettoslang“.

Die Werbung für sein Buch „On the left you see the Siegessäule“ baute Birr als Running Gag ins Programm mit ein – und nach guten zweieinhalb Stunden Kabarett wusste wirklich jeder im Saal, dass das Buch am 12. März erscheint. Insgesamt ein mehr als gelungener Auftakt für die 33. Kleinkunsttage und ein guter Griff, den Stefan Weippert mit der Verpflichtung Tilman Birrs getan hat. Der Kulturhausleiter hatte zuvor das Publikum instruiert, Stimmen für die Kabarettisten abzugeben und sie beispielsweise nach Konzeption, Gesamtwirkung oder Aussage zu bewerten. Geht man nach geforderten Zugaben, braucht sich Tilman Birr zunächst mal keine Sorgen um Sieg oder Niederlage zu machen. - rudi

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