Immer mehr Hunde gemeldet

Tierliebe füllt Stadtkasse: Lüdenscheid ist im NRW-Vergleich teures Pflaster für Hundehalter

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Oskar ist der sieben Jahre alte Hund von Stadtpressesprecher Sven Prillwitz. Der Mischling trägt die aktuelle Lüdenscheider Hundemarke. Sie gilt jeweils für vier Jahre. Jedes Jahr gibt es aber eine neue Marke mit neuer Nummer.

Lüdenscheid – Mehr Hunde, mehr Hundesteuer - diese einfache Rechnung geht auch in Lüdenscheid auf - dazu kommt aber noch eine saftige Erhöhung vor einigen Jahren. So füllt im übertragenen Sinne die Tierliebe der Lüdenscheider die Stadtkasse.

In Lüdenscheid gibt es mehr Hunde als noch vor zehn Jahren. Das ergab eine Abfrage bei der Stadt Lüdenscheid. Demnach waren im Jahr 2009 3.266 Hunde aktenkundig, in diesem Jahr rechnet die Stadtverwaltung mit rund 3.600 Vierbeinern, für die ihre Halter Hundesteuer bezahlen müssen. Die Tierfreunde leisten damit einen nicht unerheblichen Beitrag zur Konsolidierung der Stadtkasse. 

Bestand unterliegt laufend Schwankungen

Die Zahl der Hunde variiert, ist in der Tendenz aber leicht steigend. 2012 gab es 3.427 Hunde, 2015 waren es dann 3.547 Tiere. Für 2016 weist die Statistik dann nur noch 3.110 Hunde aus, während 2018 wieder 3.700 Vierbeiner gezählt wurden. Die Stadt weist darauf hin, dass der Bestand „durch rückwirkende An- und Abmeldungen laufend bereinigt wird und Schwankungen unterliegt.“ Daher sind auch die jüngsten Jahrgänge nur gerundet angegeben.

Hundesteuer stieg 2014 deutlich an

An der Lüdenscheider Tierliebe hat auch die saftige Steuererhöhung im Jahr 2014 nichts geändert, die der Stadtrat im Zuge der Haushaltskonsolidierung beschlossen hat. 

Wer einen Hund hält, muss seitdem 120 Euro pro Jahr zahlen, also 40 Prozent mehr. Um 76 Prozent ging es für Halter von zwei Hunden nach oben (180 Euro je Hund) – und sogar um 100 Prozent für Halter von drei oder mehr Tieren (240 Euro pro Hund). 

Hagen ist deutlich teurer als Lüdenscheid

Damit gehört Lüdenscheid zu den teuersten Städten für Hundehalter in NRW. Spitzenreiter ist mit 180 Euro für den ersten Hund die Stadt Hagen. In Verl dagegen werden nur 25 Euro verlangt. Im Märkischen Kreis sind laut Bund der Steuerzahler NRW Neuenrade und Plettenberg mit 60 Euro am günstigsten. 

Einnahmen aus der Hundesteuer stiegen an

Die Einnahmen aus der Hundesteuer stiegen in Lüdenscheid auch bedingt durch die Steuererhöhung zuletzt deutlich an – von 307 000 Euro im Jahr 2013 auf 445.000 Euro. 2017 waren es dann schon 458.000 Euro. Für 2018 lag noch keine Abrechnung vor. Die neuen Steuerbescheide wurden im Januar verschickt. 

Stadt vertraut ihren Hundehaltern

Die Stadt vertraut ihren Hundehaltern, dass sie richtige Angaben zur Zahl der gehaltenen Hunde machen. Dass das nicht immer der Fall ist, zeigen Beispiele aus anderen Städten, wie zum Beispiel Hamm. Auf stichprobenartige Kontrollen oder gar Hundezählungen, wie es andere Kommunen in NRW gemacht haben, um nicht angemeldete Vierbeiner zu entdecken und die Einnahmen zu erhöhen, verzichtet die Stadt Lüdenscheid, wie eine Stadtsprecherin betonte. 

Besondere Vorgaben bei großen Hunden

Gut die Hälfte aller Hunde sind sogenannte „große Hunden“. Halter, die einen Hund haben, der ausgewachsen schwerer ist als 20 Kilogramm oder größer als 40 Zentimeter, müssen einen Sachkundenachweis, eine Kopie ihrer Tierhalterhaftpflichtversicherung sowie die Nummer eines verpflichtend implantierten Mikrochips vorlegen. Dafür haben sie nach der eigentlichen hundesteuerlichen Meldung sechs Monate Zeit. 

Große Hunde müssen in der Stadt an die Leine

Teurer in der Steuer sind sie aber nicht. 2009 gab es 1.627 große Hunde in Lüdenscheid. 2019 wurden bereits 1.896 von ihnen gezählt. Große Hunde müssen gemäß Landeshundegesetz „außerhalb eines befriedeten Besitztums innerhalb im Zusammenhang bebauter Ortsteile auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen“ an der Leine geführt werden. Dies gilt nicht innerhalb besonders ausgewiesener Hundeauslaufbereiche. 

Immer weniger Kampfhunde in Lüdenscheid

Deutlich zurückgegangen ist die Zahl der sogenannten Kampf- oder Listenhunde in Lüdenscheid. Gab es 2012 noch 66 Tiere in der Bergstadt, ging die Zahl bis 2018 auf 19 zurück. Listenhunde schlagen mit 864 Euro pro Tier zu Buche (zuvor 613,20 Euro). Zuletzt wurde nach Angaben der Stadt aber lediglich für sieben Tiere die erhöhte Steuer fällig. Der Grund: Durch einen nachgewiesenen Wesenstest können diese Hunde steuerlich wie ein „normaler“ Hund behandelt werden. 

Besondere Anforderungen an Listenhunde

Das Landeshundegesetz NRW regelt in Paragraf 10, welche Rassen als Kampfhunde geführt werden. Dabei handelt es sich um solche Hunde, bei denen nach ihrer besonderen Veranlagung, Erziehung und/oder Charaktereigenschaft die erhöhte Gefahr einer Verletzung von Personen besteht oder von denen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgehen kann. Kampfhunde werden aber auch innerhalb des Gesetzes noch einmal unterschieden nach „gefährlichen Hunden“ und „Hunden bestimmter Rassen“. 

Gefährliche Hunde

Als gefährliche Hunde gelten American Staffordshire Terrier, Bullterrierm Pitbull Terrier, Staffordshire Bullterrier sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden. 

„Hunde bestimmter Rassen“

„Hunde bestimmter Rassen“ sind Alano American Bulldog, Bullmastiff, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Mastiff, Mastino Espanol, Mastino Napoletano, Rottweiler, Tosa Inu sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden. 

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