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Mit mehr als 200 km/h: Betrüger fliehen in schrottreifem BMW über A 45 in falsche Richtung

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Von: Stefan Herholz

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Mit einem tiefer gelegten, schrottreifen 5er-BMW jagten zwei Männer mit mehr als 200 km/h über die A45 bis nach Lüdenscheid. 
Mit einem tiefer gelegten, schrottreifen 5er-BMW jagten zwei Männer mit mehr als 200 km/h über die A45 bis nach Lüdenscheid.  © Frank Rumpenhorst/dpa

Wenn‘s schief läuft, dann richtig: Das gilt zumindest für zwei Trickbetrüger, die im Märkischen Kreis nicht nur an einen Kripo-Beamten gerieten, sondern dann in ihrem schrottreifen 5er-BMW auch noch mit mehr als 200 km/h über die A45 in die falsche Richtung türmten.

Ihren Anfang nahm die Geschichte an der Autobahnabfahrt in Meinerzhagen. Ein Kripo-Beamter verließ dort am Dienstag gegen 16 Uhr die A45. Vor ihm fuhren ein Mann und sein Kumpane in einem 5er BMW aus Rumänien und machte Haltezeichen.

Der hilfsbereite Beamte stoppte, der BMW-Fahrer stieg aus und ging zum Wagen des Beamten. Der BMW-Fahrer erklärte dem Polizisten, dass er dringend Hilfe brauche. Denn: Seine Frau liege im Krankenhaus und er benötige dringend Geld.

Überzeugend war die Geschichte des BMW-Fahrers aber offenbar nicht. Der Kripo-Beamte griff nicht zum Geldbeutel, sondern informierte seine Leitstelle wegen des Betrugsversuchs.

Das Trickbetrüger-Duo (23 Jahre und 42 Jahre) roch Lunte. Der Fahrer sprang in den tiefer gelegten BMW und trat kräftig auf‘s Gaspedal, um über die Autobahn zu flüchten.

Nächste falsche Entscheidung

Allerdings traf der BMW-Fahrer nun die nächste falsche Entscheidung. Er wählte die Auffahrt in Richtung Dortmund. Der Kripo-Beamte hängte sich an sie und alarmierte weitere Einsatzkräfte.

Mit mehr als 200 km/h jagte das Verbrecher-Duo in den Norden und an der Abfahrt Lüdenscheid Süd vorbei, genau in Richtung der gesperrten A45-Talbrücke Rahmede.

Ob es an der Ausweglosigkeit der Situation lag, ist nicht bekannt - jedenfalls entschloss sich der BMW-Fahrer, an der Raststätte Sauerland-Ost abzufahren.

Desolater technischer Zustand

Hier war die Flucht beendet, der Ärger mit der Polizei aber längst nicht. Aufgrund des desolaten technischen Zustandes des Pkw riefen die Einsatzkräfte die Spezialisten des Verkehrsdienstes hinzu.

Sie schauten sich den 5er-BMW genau an. Ergebnis: Die Bereifung auf der hinteren Achse war komplett abgefahren und die Mindestprofiltiefe weit unterschritten.

Schleifend auf dem Vorderreifen

Aufgrund des verbauten unzulässigen Pkw-Fahrwerks lagen die Federteller des vorderen Fahrwerks schleifend auf den Vorderreifen auf. Diese wurden hierdurch massiv beschädigt.

Bremssattel mit Draht befestigt

Dazu war illegal eine artfremde Abgasanlage verbaut worden. Die hinteren Bremsbeläge waren provisorisch mit einem dünnen Draht an dem Bremssattel festgebunden.

Auf einer Prüfstelle stellte ein Gutachter letztlich fest, dass der BMW mit insgesamt 77 Mängeln verkehrsunsicher war.

Die Kennzeichen und die Zulassungsbescheinigung wurden vor Ort sichergestellt. Das Fahrzeug wurde außer Betrieb gestellt.

Die Insassen entrichteten zur Sicherstellung des Verfahrens eine Sicherheitsleistung. Zudem wurde eine Anzeige wegen versuchten Betruges geschrieben.

Erst vor drei Wochen hatte die Polizei in Lüdenscheid einen rollenden Albtraum aus dem Verkehr gezogen - eine moldawische Reisegruppe, dessen zusammengebastelter Kleinbus mit abenteuerlichen Sonderausstattungen selbst MacGyver in Staunen versetzt hätte.

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