Ticketfälscher muss Sozialdienst leisten

Lüdenscheid - Er hat viele Versuche benötigt, bis es klappte. Bei den Monatstickets musste er am Computer mühsam die Kennnummern einfügen, „das war schwierig“. Bei den Fun-Tickets ging es leichter. Der Richter schaut sich eine der gefälschten Fahrkarten an und hebt die Augenbrauen. „Das ist ja gut gelungen, sieht echt aus.“

Das ist der Grund, warum der Handel des 20-Jährigen mit MVG-Fahrscheinen so lukrativ war. Jetzt ist er aufgeflogen – und wegen gewerbsmäßiger Urkundenfälschung in 246 Fällen angeklagt.

Einer seiner vielen Stammkunden – wohl allesamt aus der Jugendszene – ist nämlich mit einem gefälschten Ticket erwischt worden und hat dem Kontrolleur erzählt, woher er das Ding hat. Bei einer Hausdurchsuchung fanden Polizisten dann massenweise MVG-Tickets blanko auf Rollen. Monatelang hatte das Verkehrsunternehmen nach dem ominösen Fälscher geforscht, nun war die Suche beendet. 600 bis 800 Euro hatte sich der junge Mann monatlich ergaunert. Der Schaden für die MVG dürfte sich auf bis zu 5000 Euro belaufen. Sie will ihn ersetzt haben.

Das Geld hatte der Leiharbeiter bitter nötig, wie er sagt. Seine Lehrstelle wurde ihm gekündigt, „ich habe leider viel gefehlt“. Nach der Scheidung seiner Eltern lebt der Junge mit Mutter und Geschwistern nahe am Existenzminimum. „Ich hatte damals ein Auto finanziert und meine Mutter unterstützt.“ Und irgendwo musste das Geld schließlich herkommen. Dass er die Rollen angeblich nachts am Wehberg in einem Gebüsch gefunden hat, passte ins kriminelle Konzept. Staatsanwältin Ina Pavel: „Dass das ‘ne ganz große Nummer war, ist Ihnen schon bewusst, oder!?“

Das lässt Strafverteidiger Heiko Kölz ausnahmsweise mal so stehen. Auch an der Tatsache, dass die Polizisten bei der Durchsuchung zu allem Überfluss einen verbotenen Schlagring gefunden haben, ist nicht mehr zu rütteln.

Trotzdem urteilt das Jugendschöffengericht milde. Die Richter stellen zwar die Schuld des Jugendlichen fest, die Entscheidung über die Verhängung der Jugendstrafe aber wird für eine Bewährungszeit von einem Jahr ausgesetzt. Außerdem muss er 150 Stunden Sozialdienst leisten.

Von Olaf Moos

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