Von Thüringen zum Wurststand am Weihnachtsmarkt

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Hildegard Hüter, in Jena geboren, frischt am Thüringer Wurstwarenstand von Peter Hohmann regelmäßig Geschmackserinnerungen auf – und bringt dem Händler zum Dank ein Bier vorbei.

Lüdenscheid - Seit 15 Jahren ist Peter Hohmann mit seinen Wurstwaren aus Thüringen Teil des Lüdenscheider Weihnachtsmarktes. „Noch ein paar Jahre,“ will er wiederkommen, „solange die Zielgruppe noch lebt.“

Doch weil sich herumgesprochen hat, was lecker ist, weil Omas ihre Enkel mitbringen und probieren lassen, dürfte er auch die „Pommes-mit-Mayo“-Generation bald angefüttert haben. Das könnte für den 60-Jährigen noch viele weitere Weihnachtsmarkt-Jahre bedeuten.

Er ist aus Berlin und hat im Büdchen vor der Rathaustreppe alles, was er braucht. Wasseranschluss, einen Wasserkocher, eine Mini-Eisenbahn als heimelige Thekendeko, einen Mini-Grill für ein Thüringer Bratwürstchen zwischendurch und, für den Fall der Fälle, ein Schnäpschen, einen Magenbitter, „den guten Rhöntropfen“. Den verkauft er auch, so wie das Spreewalder Leinöl – „allet Handabfüllung, für Augen, Niere, Blutdruck“ –, die Soljanka im Glas oder das Räucherfilet: „janz was Edles“. Klar hat er Schwartemagen mit Kümmel und Schlachtsuppe „wie früher“, an die der Kunde sich noch erinnert. Alles frisch, vieles lange haltbar oder einzufrieren – die Kunden kaufen, „bis der Froster nicht mehr zu geht“. Denn wenn er wieder weg ist, ist er weg, bis zum nächsten Jahresende.

Bis dahin tourt der Händler mit Wurst und Hähnchengrill über die Wochenmärkte, „ooch in Berlin“. Übers Ruhrgebiet kamen die Thüringer Spezialitäten so einst nach Lüdenscheid. „Jeden Sonntag bringt der Fleischer aus Gotha frische Ware“, sagt Peter Hohmann. Eine Tour sind 350 Kilometer. Dann liefert er Bestellungen ab und Nachschub für die Auslage. Zwiebelwurst. Rotwurst. Nussschinken. Griebenschmalz.

„Es gibt immer noch Leute, die fragen: ‘Fahren Sie jeden Abend nach Hause?’“ – In gewisser Weise macht er das. Seit 15 Jahren hat der Reisende für die Weihnachtsmarkt-Zeit hier immer die gleiche Ferienwohnung gemietet, ein Zuhause auf Zeit für ihn und seinen Mischlingshund „Larry“. Der ist genügsam, hat aber Wurstbudenverbot. Aus naheliegenden Gründen.

„Wenn ich hier ankomme, ist das immer wie ‘Täglich grüßt das Murmeltier’, schmunzelt der Weihnachtslüdenscheider. Und wiederholt den alljährlichen Spruch: „Es wär’ schon nicht schlecht, wenn hier noch ‘ne kleine Attraktion hinkäme.“ Sowas wie damals das Riesenrad. Nur Pech mit dem Wetter habe man in dem Jahr gehabt. Aber noch was für die Kinder, das fände er gut. Und mehr Platz für den Markt.

Auf Heiligabend freut er sich schon, ist wirklich froh, „wenn man mal einen halben Tag Luft hat“. Am 2. Feiertag hat der Wursthändler wieder auf. Daheim kümmert sich der Bruder über die Feiertage um den Vater, der seit kurzem Witwer ist. Sein Bruder arbeite beim Bundestag, beim Wachschutz, erzählt Hohmann. Und es klingt nicht so, als würde er ihn um seinen Tagesablauf beneiden. - sum

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