Alltag eines Klinikclowns

+
Thomas Wewers hat ein Buch über den Alltag eines Klinikclowns geschrieben.

Lüdenscheid - Nein, es reicht eben nicht, eine rote Nase aufzusetzen und lustig über den Flur zu hüpfen. In den Zimmern liegen Kinder. Psychisch sehr belastet. Und mitunter schwer krank. Ohne die Einwilligung der kleinen Patienten betritt kein Klinikclown das Krankenzimmer. Wenn sie dürfen, verbreiten die Klinikclowns Heiterkeit und Poesie.

Mal sanft und leise, mal spaßig und laut, mal tollpatschig und wild. „Ich hab anfangs nichts aufgeschrieben. Geschichten gibt es erst seit rund zwei Jahren“, sagt Thomas Wewers. Sieben Jahre war er für den Verein „Clownsvisite“ unterwegs, meist auf der Kinderkrebsstation der Uniklinik in Essen, aber auch drei Jahre in Lüdenscheid und regelmäßig in Bottrop. Frisch auf dem Markt erschienen ist nun sein Buch „Das Pflaster“, eine Geschichtensammlung aus dem Alltag eines Klinikclowns. 25 kleine Geschichten finden sich in dem rosafarbenen Buch wieder.

Manchmal sind sie zum Schmunzeln, manchmal haben sie etwas Anrührendes. „Es gibt keinen Masterplan für die Besuche der Klinikclowns“, sagt Wewers, jeder Besuch sei anders. Vieles sei auch verblasst in der Erinnerung, aber „irgendwie so“ sei es dann schon gewesen. Die kleinen Geschichten, liebevoll von Elisabeth Bohrer-Hajes mit Zeichnungen versehen, spiegeln wider, mit welchen kleinen Spielereien die Klinikclowns – „wir sind immer zu zweit unterwegs – ein bisschen Freude in den Alltag der Patienten bringen.

Wewers hat beim Schreiben nicht auf die Tränendrüse gedrückt, sondern versucht, zu schildern, wie die Kinder den Besuch der Clowns aufnehmen: „Wir können nicht immer ins Krankenzimmer. Manchmal müssen wir an der Türschwelle spielen, manchmal sogar draußen auf dem Flur.“ Die Geschichten selbst sind mit Anmerkungen versehen, die einen Blick hinter die Kulissen erlauben. 

Warum er inzwischen kein Klinikclown mehr ist? „Sieben Jahre sind genug. Ich war zeitweise Vorsitzender des Vereins, das vereinnahmt einen ganz ordentlich. Es war an der Zeit für andere Dinge. Ich wollte zurück auf die Bühne“, sagt der 54-Jährige. Aber sein Herz gehört nach wie vor dem Verein. Und all den Liams, Noels, Tobis, Marvins und Maries, die in den Krankenzimmern liegen und auf die Clowns warten. 50 Prozent der Autoreneinnahmen gehen an die „Clownsvisite“.

Thomas Wewers, „Das Pflaster“, ISBN 9783746936543, 9,90 Euro

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare