Ensemble zeigt Stück über Mobbing bis zum Freitod

Das Ensemble des Theaterhauses Frankfurt zeigte im Kulturhaus „Nennen wir ihn Anna“.

LÜDENSCHEID - Eine Handtasche symbolisiert die Mutter, eine Brille den Vorgesetzten, ein strenger, unnahbarer Blick den Vater, ein auf den Boden der Kulturhausbühne aufgezeichnetes Fußballfeld ist die Kulisse.

Mehr braucht das Ensemble des Theaterhauses Frankfurt nicht, um eine Stunde lang die beklemmende Trostlosigkeit von Anders Roos (Tino Leo) darzustellen. 14 Jahre alt, kränklich, abgeschoben in ein Ferienlager und dort hoffnungslos halbstarken Gewalttätern ausgeliefert. „Nennen wir ihn Anna“ knüpfte am Abend im Kulturhaus nahtlos an die Gänsehaut an, die das Ensemble vor Jahresfrist mit dem Stück „Tabu“ hinterließ. Fünf Schauspieler auf der marginal bestückten Bühne, in Trainingsanzügen, hier und da in der Bewegung erstarrt. Niemand zieht sich hinter den Vorhang zurück, alle sind sie gezwungen, das Leiden mit anzusehen.

Da ist Torso (Finn Hanssen), der nicht wagt, dem Treiben des Rädelsführers Gras (Günther Henne) ein Ende zu setzen, da ist Maus (Daniel Maier), der „mitläuft“, und da ist Micke (Michael Meyer), angehender Abiturient, Trainingsleiter und der einzige, zu dem Anders Vertrauen hat, der ihn unterstützt, ihn aufmuntert, ihn dazu bewegen will, sich zu wehren. Aber Anders hat das Wehren nie gelernt unter seiner farblosen Mutter und dem dominanten Vater, der das Anders-Sein des Sohnes nicht erträgt: „Jungs heulen nicht!“ Als das Mobbing im neuen Schuljahr weitergeht, setzt Anders mit übermenschlicher Willenskraft seinem Leben ein Ende.

Zurück bleiben viele stille junge Menschen, die das Gesehene erst einmal verarbeiten müssen. Mobbing bis zum Freitod, ein Thema, das durch Stücke wie dieses ins Bewusstsein gerückt wird. Ohne Abstriche gut. - Jutta Rudewig

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