Schnelle Wechsel von Ost nach West und zurück

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Das Theater Strahl zeigte im Kulturhaus die Inszenierung "Berlin Berlin".

Lüdenscheid – Nach der zweieinhalbstündigen Inszenierung hielt es am Mittwochabend kaum jemanden mehr auf den Sitzen im großen Saal des Kulturhauses. Zu Gast war das Theater Strahl mit dem Stück „Berlin Berlin“ aus Anlass des Falls der Mauer vor 30 Jahren.

Rhythmisches Klatschen und nicht enden wollender Beifall beendeten die Geschichte von Ingo (Justus Verdenhalven), geboren 1961 am Tag des Mauerbaus. Autoren verschiedener Generationen und Herkünfte haben das Stück gemeinsam entwickelt: Sina Ahlers, Uta Bierbaum, Günter Jankowiak und Jörg Steinberg, der auch die Regie führt.

Mit dem Baby Ingo im Arm wartet Mutter Dagmar vor dem Krankenhaus auf den Kindsvater, der sich allerdings in diesem Moment für ein Leben im Westen entschieden hat. Ohne abgedroschene Redewendungen wird auf der Bühne die klassische Ost-West-Familiengeschichte erzählt. Auf der Ostseite Ingo, Oma Gertrud, Onkel Dietmar und Mutter Dagmar, auf der anderen Seite Vater Klaus, den Ingo nie kennen lernt, der eine neue Familie gründet und seine Herkunft tapfer verleugnet.

Der Bühnenaufbau besteht aus Steinen, die hier zu Tisch und Stuhl, dort zu Grabsteinen werden, aber nie den Eindruck des „antifaschistischen Schutzwalls“ verlieren. Über allem thronen der Suchscheinwerfer und eine Projektion, die den Zeitstrahl vorgibt. Eine trickreiche Hilfestellung, denn der schnelle Szenenwechsel zwischen Ost, West und den Jahren, die vorüberfliegen, wäre sonst schwierig nachvollziehbar.

Ingos Sehnsucht nach dem Westen gipfelt in einem bewilligten Ausreiseantrag im November 1989. Und dann fällt plötzlich die Mauer. Die sechs Schauspieler in mehreren Rollen meisterten das Stück mit Herzblut und Bravour. Sie selbst haben wohl kaum den Mauerbau miterlebt. Die Inszenierung war eingebettet in ein Lüdenscheider Gespräch zum Thema und ein Ostalgie-Büffet im Foyer des Kulturhauses, von dem die Gäste gern und reichlich Gebrauch machten.

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