Ein teures, böses Bindestrich-Wort

Lüdenscheid - „Polizisten haben einen schwierigen Job und sind vermehrt Beleidigungen und Angriffen ausgesetzt“, sagt Staatsanwältin Ina Pawel. Da regt sich kein Widerspruch im Saal 125 des Amtsgerichts. Auch der Angeklagte sagt dazu lieber mal nichts.

Am 3. Juli, 23.20 Uhr, knapp 1,7 Promille intus, sagte er sehr wohl etwas, nämlich zu einer langsam vorbeifahrenden Polizeistreife, und zwar: „Scheiß-Bullen!“ Darauf steht laut Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder Geldstrafe.

Aber damit hat der 26-Jährige, akkurat frisiert und in ein dunkles Sakko gehüllt, 13fach vorbestraft, schon Erfahrung. Diebstähle, Unterschlagung, Körperverletzungen, räuberische Erpressung und Verstöße gegen das Waffengesetz bilden die Eckpunkte einer noch jungen kriminellen Karriere. Er sagt, dass er gerade eine Ausbildung zum Umformtechniker begonnen hat und nach einer gescheiterten Beziehung wieder zurück zu seinem Vater gezogen ist. Der Richter scheint den alten Herrn zu kennen. „Ich habe gehört, er ist ziemlich streng.“ Der Angeklagte: „Der kann richtig böse werden.“ Und dazu gibt’s nun schon wieder einen guten Grund.

Der 26-Jährige scheint sich zu wundern, was für eine Apparatur die Justiz wegen eines kleinen Bindestrich-Wortes in Gang gesetzt hat. Der Strafrichter erklärt es ihm. „Es war richtig, dass Sie angezeigt wurden. Hier fehlt es eindeutig an Respekt.“ Denn wenn er in Not gerate, würden ihm die Polizisten ja auch helfen. Kurzes Nachdenken, dann: „War falsch, ja! Und tut mir leid!“

Sein schnelles Geständnis, die Einsicht und nicht zuletzt eine „gewisse Enthemmung“ zur Tatzeit kommen dem Mann zugute. Das Vorstrafenregister eher nicht. Der Richter wägt ab. Sein Urteil: 200 Euro Geldstrafe. Der Angeklagte sagt: „Alles ok!“

Von Olaf Moos

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