Kosten übernimmt das Jobcenter 

Teurer als Mieten: Schlafplatz für Obdachlose kostet 28,63 Euro pro Quadratmeter 

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Obdachlos, die auf der Platte leben, soll es nach Stadtangaben in Lüdenscheid nicht geben.

Lüdenscheid – Menschen, die auch bei den aktuellen Minustemperaturen im Freien nächtigen, gibt es in Lüdenscheid nicht. Das sagte Stadtsprecherin Marit Schulte. Warum es dennoch eine Obdachlosenunterkunft gibt. 

Die Unterkunft befindet sich an der Leifringhauser Straße 1 bis 5 (Helenenhöhe). Sie ist seit nunmehr zwölf Jahren in Betrieb. Hier hält die Stadt 75 Schlafstellen in zwei voneinander abgetrennten Bereichen vor. Wie die Stadt mitteilte, waren in dieser Woche 29 Plätze belegt. Mitte November wurden noch 32 Personen registriert. 

Generell ist die Zahl der Belegungen im Winter größer als im Sommer, sagt Stadtsprecherin Schulte. Wer sich in der Einrichtung in der Leifringhauser Straße einmietet, hat in der Regel eine lange Leidensgeschichte hinter sich. 

Die Lüdenscheider Obdachlosenunterkunft befindet sich seit gut zwölf Jahren an der Leifringhauser Straße 1 bis 5.

Die Bewohner leiden häufig unter psychischen Erkrankungen und sind in der Vergangenheit meistens aus betreuten und stark reglementierten Wohngruppen ausgeschlossen worden. Unter den Bewohnern sind zudem viele Alkohol- und Drogensüchtige. „Es sind Menschen, die aufgrund ihrer Situation keine Wohnung auf dem freien Markt bekommen“, sagt Marit Schulte. 

In diesen Fällen springt die Stadt ein und weist den Personen eine Schlafstelle zu, damit sie erst gar nicht im Freien nächtigen. Menschen über 60 Jahren erhalten ein Einzelzimmer, alle anderen sind in einer Sammelunterkunft untergebracht. Das Wohnen in der Einrichtung ist Lüdenscheidern vorbehalten. Obdachlose aus anderen Städten werden hier nicht untergebracht. 

Die Kosten müssen die Bewohner tragen. Da sie aber häufig über keinerlei Vermögen verfügen, übernimmt das Sozialamt oder das Jobcenter die Kosten. Die wenigsten Obdachlosen bleiben für einen längeren Zeitraum, tatsächlich gibt es aber auch Personen, die mehrere Jahre in der Einrichung leben. 

Fast immer handelt es sich um Einzelpersonen. Das Zusammenleben dieser Personen auf engem Raum, schreibt die Stadtverwaltung in einem Bericht an den Rat, berge ein erhöhtes Konfliktpotenzial und macht eine intensive Betreuung erforderlich, „die selbst durch regelmäßige Kontrollen des Außendienstes und des Sachbearbeiters nicht mehr geleistet werden kann.“ 

Bereits 2009 wurde deshalb ein Hausmeister, der die Obdachlosenszene kennt, eingestellt. Er ist nun als Vollzeitkraft tätig. 

Strom- und Heizkosten übernimmt ebenfalls die Stadt. Lediglich zwei Personen zahlen den Strom eigenständig. Insgesamt sind die städtischen Ausgaben für die Obdachlosenunterkunft zuletzt deutlich gestiegen. Aus diesem Grund hat der Rat eine Gebührenerhöhung für die Nutzung der Obdachlosenunterkünfte zugestimmt.

Gebührenerhöhung

Die monatlichen Gebühren für die Obdachlosenunterkünfte werden nach den genutzten Quadratmetern berechnet. Pro Quadratmeter werden in den Sammelunterkünften ab diesem Jahr 28,63 Euro (zuvor 26,82 Euro) fällig. Hinzukommen eine Heizkostenpauschale in Höhe von 2,23 Euro/m² (vorher 1,70 Euro) und eine Stromkostenpauschale in Höhe von 1,01 Euro/m². Damit sind die Gebühren deutlich teurer als die Mieten im frei finanzierten Wohnungsbau.

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