Teure Dichtheitsprüfung: Lösenbach erhält jetzt Post

Was verbirgt sich in den Leitungen zwischen Gebäude und Kanal? Das wird für 15 000 Eigentümer künftig eine spannende Frage sein, bei der es auch um viel Geld geht. Dieser Abschnitt der Lösenbacher Landstraße macht jetzt den Anfang.

LÜDENSCHEID - Nachdem der Stadtrat die Pläne des Stadtentwässerungsbetriebs Lüdenscheid (SEL) zur Umsetzung des Landeswassergesetzes passieren ließ, werden die Satzungen zur Dichtheitsprüfung von Hausanschlüssen jetzt rechtskräftig. Für 40 Anlieger der Lösenbacher Landstraße zwischen der Einmündung Mozartstraße und der B 54, darunter 25 Firmen, bedeutet das: Sie bekommen sehr bald Post, wo das nicht schon passiert ist.

Damit beginnt ein kostenträchtiges Verfahren. Am Ende sollen die Hausanschlüsse, also die Kanäle von den Wohn- oder Firmengebäuden zum Hauptsammler in der Straße, dicht sein. Dann kann hier kein „Fremdwasser“, etwa Grundwasser, mehr ins Kanalnetz dringen und in die überforderte Kläranlage Volmetal fließen.

Die Lösenbacher Bürger sind bekanntlich als erste an der Reihe, weil Fremdwassergebiete vordringlich saniert werden müssen. Außerdem gibt es dafür nur noch bis Ende 2011 Landeszuschüsse bei fälligen Reparaturen. Weil die Untersuchungen des SEL noch laufen, könnten in Lüdenscheid weitere Fremdwasserbereiche hinzukommen.

Sicher ist: Was die Lösenbacher jetzt erwartet, steht bis 2026 jedem der bis zu 15 000 Privateigentümer in Lüdenscheid ins Haus. Denn bis dahin werden die 15 Bereiche, in die der SEL das Stadtgebiet unterteilt hat, Jahr für Jahr abgearbeitet. Wer wissen will, wann er selber dran ist: Der Übersichtsplan steht im Internet auf der Homepage stadtwerke-luedenscheid.de.

Alles beginnt jeweils mit der Kanaluntersuchung. Sie muss im Lösenbach-Gebiet bis Ende März 2011 erledigt sein und kostet im Schnitt 25 Euro pro Meter. Meist sind zehn bis 15 Meter zwischen Haus und Kanal auf Löcher abzusuchen. Hinzu kommen aber auch die Leitungen, die unterm Haus her laufen.

Diese Meter bis zu Revisionsschacht oder -klappe hat jeder Eigentümer auf eigene Kosten prüfen zu lassen – und sich darüber mit der ausführenden Firma selbst zu einigen. Der SEL bietet laut dem technischen Vorstand Josef Lorkowski aber den Service, von seiner Hauptkanalseite aus bis zu 15 Meter tief in jeden Privatkanal hinein zu gucken und die Ergebnisse kostenlos zur Verfügung zu stellen. Zudem kann man die restliche Hausanschlussstrecke gleich von der jeweils für den SEL arbeitenden Kamerafirma prüfen lassen. Auch das spart Kosten.

Die Videos sieht sich dann ein Sachkundiger an, der jeden Hausanschluss in eine der vom SEL vorgegebenen Schadensklassen einteilt. Die Lüdenscheider Entwässerer wollen allen Betroffenen vorab Listen von Handwerks- und Ingenieurskammern zu Firmen und Sachverständigen zur Verfügung stellen, damit sich keine schwarzen Schafe darunter mischen können.

Bei fälligen Reparaturen haben Häuslebauer und Firmenchefs Kosten zu erwarten, die je nach Schadenslage zwischen 100 und 200 Euro pro Meter liegen. Mit Kanal-TV macht das für ein durchschnittliches Grundstück bei normaler Kanallänge 2- bis 3000 Euro. Es kann aber je nach Zustand deutlich mehr werden – oder viel weniger. „Nicht jeder Versatz oder Muffenspalt muss saniert werden“, sagt Lorkowski. In Fremdwassergebieten kommt aber zu Kamerafahrt und Sanierung eine Druckprüfung optisch dichter Kanäle hinzu, die mit Luft oder Wasser erfolgen muss – in der Lösenbach bis Herbst 2011.

Der SEL verlange von den Bürgern nichts, was er nicht auch selbst tue, betont Lorkowski. So habe man in den letzten Jahren 330 Kanalkilometer zwei Mal komplett filmen lassen. Die Sanierungen laufen fortwährend.

Bei den Kosten für die Reparatur eines Hausanschlusses hilft dem Bürger Vater Staat: Das Land NRW bezuschusst die Gesamtkosten bis zu 30 Prozent, die Anträge dafür füllt der SEL aus. Ob es das Landesgeld in jedem Fall gibt, sei aber nicht garantiert, „es handelt sich um eine Kann-Bestimmung“. Was passiert, wenn der Topf leer ist oder die Förderregelung ab 2012 nicht verlängert wird, weiß auch Lorkowski nicht.

Bürger wie Firmen sollten sich jedenfalls erst vom SEL anschreiben lassen, bevor sie tätig werden. Josef Lorkowski: „Außer bei Umzug oder Umbau sollte jeder warten, bis er von uns angesprochen wird. Es bleibt dann in jedem Fall noch genug Zeit.“

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