Redaktion macht den Test

Vorher-Nachher-Vergleich: So viel sparen Verbraucher im MK dank Mehrwertsteuersenkung

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Eistee und Zigaretten: Zum Warenkorb der LN-Redaktion gehören eine Literflasche Eistee sowie eine Schachtel Zigaretten. Der Preis betrug am 24. Juni 11,54 Euro, nach der Mehrwertsteuersenkung am 2. Juli noch 11,50 Euro. Auch wenn der Verbraucher in diesem Beispiel vier Cent gespart hat, bleibt ein Großteil des gewünschten Effekts beim Handel. Würde in diesem Fall die komplette Mehrwertsteuersenkung an die Kunden weitergegeben, würde der Verbraucher 25 Cent sparen.

Lüdenscheid - Kommt die Mehrwertsteuersenkung in Lüdenscheid tatsächlich beim Verbraucher an? Seit Juli gilt die reduzierte Mehrwertsteuer von 16 (statt 19) beziehungsweise 5 (statt 7) Prozent.

Unsere Redaktion machte die Probe aufs Exempel und stellte einen Warenkorb zusammen. Wir gingen einmal vor dem Stichtag 1. Juli einkaufen und einmal danach. 

19 Positionen befanden sich auf der „Einkaufsliste“, darunter eine Packung Kinderriegel, ein Paket Kaffee, aber auch das Tagesticket im Familienbad und das neue Iphone. Die Preise wurden an Ort und Stelle vor (24. Juni) und nach der Einführung des Konjunkturpakets (2. Juli) geprüft und anschließend verglichen. Die Verbraucher dürfen sich freuen. Betrug der Preis für alle Produkte im Warenkorb vor der Mehrwertsteuersenkung noch exakt 1.174,90 Euro, wurden am 2. Juli nur noch 1.141,66 Euro verlangt. Das bedeutet immerhin eine Ersparnis von 33,24 Euro. 

Ersparnis von 33,24 Euro - wenn man 1.141,66 Euro ausgibt

Der Vergleich zeigt aber auch: Es wäre noch mehr drin gewesen. Nicht jedes Unternehmen gibt die Mehrwertsteuersenkung auch direkt an die Kunden weiter. Beispielhaft steht hierfür die Lasertag-Arena Lasermaxx. „Wir haben nur runde Preise und wollen dabei auch bleiben“, erklärt Besitzer Artur Merlin, der jedoch versichert: „Stattdessen werden wir Aktionen machen, wie zum Beispiel vier Spiele für 25 Euro.“ Regulär kosten drei Runden momentan 20 Euro. 

Buchhandel gibt Mehrwertsteuersenkung nicht an die Kunden weiter

Ähnlich ist die Situation auch in der Buchhandlung Thalia im Stern-Center. Eine Mitarbeiterin erläutert, dass sich Thalia nach den Verlagen richten müsse und deshalb bis Dezember verschiedene Aktionen mit Angeboten mache. Deshalb verharrt der Preis für den Roman „Der Insasse“ von Bestseller-Autor Sebastian Fitzek im LN-Warenkorb auch nach dem 1. Juli bei 11,99 Euro. Die Marge des Verkäufers erhöht sich, der Kunde sieht von der Mehrwertsteuersenkung nichts. Grundsätzlich bleibt die Buchpreisbindung dabei bestehen. Wenn ein Verlag den Preis seiner Bücher nicht senke, dürfe das auch der Einzelhandel nicht, hieß es. 

Nicht immer eindeutig: Einige berechnen den neuen Preis erst an der Kasse

Bei der Auszeichnung der neuen Preise gibt es verschiedene Herangehensweisen. Während der Lebensmitteleinzelhändler Rewe im Stern-Center die Preise neu ausgezeichnet hat und damit wirbt, gibt der Elektrogroßmarkt Saturn die drei Prozentpunkte Steuersenkung zwar an die Kunden weiter, zieht diese allerdings erst an der Kasse von der Gesamtrechnung ab. Für den Verbraucher bedeutet das: Die neuen Preise sind nicht auf den ersten Blick sichtbar. Will man im Vorfeld also genau wissen, was zu bezahlen ist, ist Rechnerei nötig. Und das geht so: Der ausgezeichnete Preis wird durch 119 dividiert und das Ergebnis mit 116 multipliziert. 

Im LN-Warenkorb befindet sich auch das neue Playstation-Spiel „Last of us Part II“. Der Preis lag am 24. Juni bei 64,99 Euro. Am 2. Juli wären 68,22 Euro fällig gewesen. Den Preisanstieg – ausgezeichnet war das Spiel mit 69,99 Euro – begründete ein Saturn-Mitarbeiter damit, dass der vorherige, günstigere Preis ein Angebot war. 

Trotz Mehrwertsteuersenkung: Preis für Schachtel Zigaretten verändert sich nicht

Es gibt allerdings auch im Rewe Produkte, bei denen die Steuersenkung nicht weitergegeben wird. Am 24. Juni wurden 9,90 Euro für eine Schachtel Zigaretten (35 Stück) bezahlt. Am 2. Juli lag der Preis trotz geänderter Mehrwertsteuer immer noch bei 9,90 Euro. Die Steuererleichterung verbleibt komplett im Handel. Für einen Sixpack Veltins (0,33 Liter) zahlte man vor der Senkung noch 4,29 Euro. Bei 16 Prozent Mehrwertsteuer sind dagegen nur noch 4,16 Euro fällig. Wichtig für den Verbraucher: Der Pfand wird durch das Konjunkturpaket nicht gesenkt. 

Kaum zu vergleichen: Beim Tchibo-Kaffee war es vor der Umstellung deutlich teurer

Eine Besonderheit tritt beim Kaffee von Tchibo auf. Vor dem Konjunkturpaket kosteten 500 Gramm „Feine Milde“ 4,99 Euro. Am 2. Juli lag der Preis bei 4,41 Euro. Das lässt darauf schließen, dass das Einzelhandelsunternehmen den Preis zunächst um 50 Cent auf 4,49 Euro gesenkt hat, bevor der verminderte Steuersatz zur Anwendung kam. 

Dass die Umstellung der Systeme von 19 auf 16 Prozent auch eine technische Hürde darstellen kann, zeigte ein Besuch in einem Restaurant in der Innenstadt. Dort tauchte auf der Rechnung noch die höhere Mehrwertsteuer auf.

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