Telegram statt Darknet: Bundesweite Aktion gegen Drogen-Netzwerk - auch im MK

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Symbolbild

Lüdenscheid - Ein Schlag gegen die Drogenszene im Märkischen Kreis, bei dem die Polizei am Donnerstag sechs Verdächtige in Lüdenscheid, Werdohl und Menden festgenommen hat, war nur Teil einer bundesweit konzertierten Aktion von Ermittlungsbehörden. Dabei haben die Fahnder in sechs Bundesländern insgesamt 28 Beschuldigte identifiziert und 30 Objekte durchsucht.

Die Aktion lief unter Federführung der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main – Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) – und des Bundeskriminalamtes (BKA) sowie weiterer Strafverfolgungsbehörden. Im Fokus standen neun Chatgruppen im Messengerdienst „Telegram“. 

Bei der Durchsuchung in Lüdenscheid war unter anderem ein Sondereinsatzkommando der Polizei tätig. Die bundesweiten Ermittlungen gegen Administratoren der Gruppen sowie dortige Händler werden laut Mitteilung des BKA in Wiesbaden seit Anfang Juni geführt. 

Die Beschuldigten stehen demnach im Verdacht, unerlaubt Handel mit Betäubungsmitteln, gefälschten Dokumenten, illegal erlangten Daten und anderen inkriminierten Gütern über den Messengerdienst „Telegram“ betrieben zu haben.

Staatsanwaltschaften in sechs Städten aktiv

Nach Informationen unserer Redaktion haben die Beschuldigten aus der heimischen Region bei dem Ankauf oder der Lieferung illegaler Drogen einen speziellen Vertriebsweg gewählt. Als Lager- und Abholungsorte dienten unter anderem automatisierte Packstationen der DHL. Die Lüdenscheider Packstation steht neben dem Aldi-Markt an der Altenaer Straße. 

An der konzertierten Aktion waren laut BKA-Mitteilung auch die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg – Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) – und die Staatsanwaltschaften in Bremen, Chemnitz, Essen, Hagen, Konstanz und Mannheim in Zusammenarbeit mit örtlichen Polizeidienststellen beteiligt. 

Auch in der Republik Österreich wurden durch die Staatsanwaltschaft Feldkirch mit der Polizei Vorarlberg zeitgleich Durchsuchungen durchgeführt. 

Plötzlich erscheint das Sicherstellungsbanner

Im Rahmen der Durchsuchungen und Festnahmen am vergangenen Donnerstag konnten die Ermittler laut Bundeskriminalamt die Kommunikation in insgesamt neun Chatgruppen des Messengers „Telegram“ mit etwa 8000 Mitgliedern übernehmen und sicherstellen – darunter unter anderem Seiten wie „Silk Road“, „Marktplatz//Schwarzmarkt“, „GermanRefundCrew“ oder „Cracked Accounts Shop“. 

In den übernommenen Internet-Kanälen und -Gruppen erschien plötzlich das Sicherstellungsbanner der federführenden Strafverfolgungsbehörden. Im Rahmen der Durchsuchungen der Wohnungen der Tatverdächtigen fanden die Ermittler zudem mehr als vier Kilogramm Betäubungsmittel, acht Waffen und 8 000 Euro Bargeld sowie zahlreiche weitere Beweismittel, insbesondere Smartphones und diverse Datenträger. 

Der von ZIT und BKA geführte Teil des Ermittlungskomplexes richtet sich nach Angaben der Behörden gegen 13 Männer im Alter von 18 bis 54 Jahren. Gegen sie besteht unter anderem der „Verdacht des Verschaffens einer Gelegenheit zum unbefugten Erwerb beziehungsweise zur unbefugten Abgabe von Betäubungsmitteln beziehungsweise des unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in teils nicht geringer Menge“. 

Gegen einen 25-jährigen Mann aus dem Landkreis Offenbach vollstreckten die Einsatzkräfte einen durch die ZIT beim Amtsgericht Offenbach am Main erwirkten Haftbefehl. Zudem wurde ein weiterer 19-jähriger Mann aus dem Landkreis Offenbach vorläufig festgenommen, der nach letzten Erkenntnissen am Freitag dem Haftrichter des Amtsgerichts Offenbach vorgeführt wurde.

Alternative zum „Darknet“

Bei dem Handel mit illegalen Waren und Dienstleistungen über den Internet-Messenger „Telegram“ handelt es sich laut BKA um eine Alternative zu Handelsplattformen im sogenannten Darknet. Dabei erfolgt in den teilweise öffentlich zugänglichen Kanälen und Chatgruppen von „Telegram“ die Anbahnung der illegalen Geschäfte, etwa durch mit Bildern beworbene Angebote oder durch Listen verifizierter Händler. 

Die Abwicklung der illegalen Geschäfte zwischen Händlern und Käufern erfolgt nach aktuellem Stand der Ermittlungen danach in separaten Chats zwischen einzelnen „Telegram“-Nutzern. Die Ermittlungen gegen die Tatverdächtigen laufen weiter.

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