Weihnachtstage für viele Menschen eine Krisenzeit

Dr. Stefan Schumacher.

Lüdenscheid - Weihnachten ist die Zeit der Besinnung, aber auch die Zeit, in der sich Menschen ihrer Probleme bewusst werden. „Wir haben das bei den Anrufen zwischen dem 23. und 26. Dezember deutlich gemerkt“, sagt Dr. Stefan Schumacher, mit Birgit Knatz zusammen Leiter der Telefonseelsorge Hagen-Mark.

Auf LN-Anfrage zog er eine erste Bilanz: Über die Weihnachtszeit seien rund 18.000 Gespräche angenommen worden, ziehe man die „Spaßanrufe und Aufleger“ ab, seien es immer noch 12.000.

Die Männer sind dabei mit 40, die Frauen mit 60 Prozent vertreten. „Was auffällig ist im Vergleich zum Jahresdurchschnitt, ist die längere Gesprächsdauer. Die Anrufer ziehen häufig Bilanz. Darin gehe es mehr als sonst um Einsamkeit. Beziehungsprobleme in der Familie oder in der Partnerstadt spielen ebenfalls eine große Rolle. Dabei sind die Gespräche intensiver als an ,normalen’ Tagen.“

Teilweise hätten die Gespräche länger als eine halbe Stunde gedauert. 40 Prozent hätten sich auf Schwierigkeiten in Beziehungen bezogen, 22 auf Vereinsamung und 34 Prozent auf psychische Erkrankungen wie Depressionen und Ängste.

Jede Stunde sei zu Zweidritteln ausgelastet gewesen, so dass die 30 ehrenamtlichen und geschulten Mitarbeiter am Sorgentelefon stark ausgelastet gewesen seien.

Unter den Anrufern waren auch überdurchschnittlich viele, die sich bedankt hätten für das Beratungs- und Betreuungsangebot der Telefonseelsorger: „Schön, dass es euch gibt.“ Über die Weihnachtsfeiertage habe es mit 37 Prozent zudem viele Erstanrufe gegeben.

Die erste Bilanz zeige einmal mehr, dass die Weihnachtstage für nicht wenige Menschen auch eine Krisenzeit sei.

Von Martin Messy

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