In Teilzeit zur großen Leidenschaft

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Immer auch gerne im Freiluft-Studio: Martin Haase vor der Fabrikfassade, hinter der sich das Studio befindet.

Lüdenscheid - Der Weg zum Glück ist zweispurig. Für Martin Haase jedenfalls. Er ist im Fachdienst Öffentliche Sicherheit und Ordnung stellvertretender Fachdienstleiter. 1986 hat er bei der Stadt „was Ordentliches“ gelernt. Fester Job, feste Aufgaben, Routine als Verwaltungsfachangestellter. Mehr als 25 Jahre später ist ihm der Büroalltag nicht mehr genug. Der Lüdenscheider hat eine alte Leidenschaft wiederentdeckt, die Fotografie.

„Beauty, Porträts, Fashion – das interessiert mich“, sagt der 48-Jährige, der mittlerweile mit cooler Lederjacke ins Büro geht. Schwarz, natürlich.

Doch die Bürostunden werden weniger. „Durch die Umorganisation im Rathaus hat sich herausgestellt, dass ich, zeitlich befristet, auf halbe Tage gehen kann.“ Nun geht er nebenbei seiner Leidenschaft nach. Bis Ende August 2014 läuft das Arrangement mit dem Arbeitgeber: „Dann werde ich weiter schauen.“ Hält der Bergauf-Trend an, werden die Karten neu gemischt. „Im Moment ist es die perfekte Lösung“, freut sich Martin Haase. „Die Konstellation aus Sicherheit und Leidenschaft ist perfekt.“ Es fehle der Druck, erfolgreich sein zu müssen.

Dass aus der Fotografie jemals mehr werden könnte als jugendliche Begeisterung, war nicht abzusehen, als Haase mit 17, 18 Jahren mit der Spiegelreflex-Kamera seines Vaters herumexperimentierte. Das, was er damit aus Gesichtern, Köpfen, Personen machte, gefiel ihm. Es dauerte nur zu lange mit der Filmentwicklung. Teuer war’s auch und als Berufswahl sowieso kein Thema.

Vor sieben, acht Jahren entdeckte der Lüdenscheider den Zeitvertreib von einst wieder, tastete sich neugierig an die aktuelle Digitaltechnik heran und war von den Möglichkeiten der Bildbearbeitung fasziniert. „Jetzt sieht man auch sofort, was man gemacht hat.“ Mittlerweile ist er im sechsten Jahr gewerblich tätig, hat einiges in die Technik investiert und eine stetige Aufwärtsentwicklung festgestellt. Sehr viel laufe über Mundpropaganda, weiß er inzwischen, auch über Facebook: „Das Wichtigste ist der zufriedene Kunde.“ Dazu kommt noch eine völlig neue Erfahrung: „Ich merke, wie schwierig es ist, als Selbstständiger klarzukommen, welche Hürden es zu überwinden gibt.“

Damit die Hürden nicht zu hoch werden, teilt er sich das Studio in der Kulturfabrik „Bergchemie“ mit zwei Kollegen: Bernd Manthey und Gunnar Kolbe. „Man nimmt sich nichts weg“, sagt er auch im Hinblick auf andere Fotografen in Lüdenscheid. Die Handschrift sei unterschiedlich. Gerne durchbricht er die optische Strenge im Studio durch Außentermine. Oder er holt die Außenwelt in die alten Fabrikmauern – in Gestalt der Kölner Star-Visagistin Nicole Biesenbach, zum Beispiel. Auch so knüpfe man Kontakte, weiß er. Und die sind alles in der Branche.

Die neue Herausforderung macht ihm viel Spaß. Selbst die Kollegen hätten festgestellt, „dass ich viel entspannter bin“. Seinen Arbeitsbereich versteht er umfassend. Er lichtet die Jungen, Schönen, Modischen ab, hat aber auch schon Vereine porträtiert und Gewerbetreibende, lichtet Familien ab oder werdende Familien – Babybäuche. Die Wechselwirkung von Licht und Schatten fasziniert ihn, die Effekte von Licht im Freien, das Spannende in den Gesichtern. Sohn Florian, frischgebackener Abiturient, hat seine neue Webseite gestaltet, der Jüngere, Nico (15), hat ein Porträt vom Vater beigesteuert und Videos geschnitten. Kreativität zieht Kreise. „Irgendwann muss man den ersten Schritt machen, und dann entwickelt sich das“, sagt Martin Haase.

Ob diesem ersten Schritt weitere folgen, ihn sein Weg noch irgendwann aus Lüdenscheid herausführt in die Zentren der Mode, nach Düsseldorf, Köln oder Frankfurt, ob er seine Wurzeln hier kappt – er weiß es nicht. Ein Anfang ist jedenfalls gemacht. Seine neue Website liefert dazu das Motto von Joseph Chilton Pearce: „To live a creative life, we must lose our fear of being wrong.“ – Nur wer die Furcht vor falschen Entscheidungen verliert, lebt ein kreatives Leben.

www.martinhaasephotography.com

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