Mehr Demokratie in Lüdenscheider Kitas

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Susanne Hellmig mit den Kindern bei der Nachmittagsplanung. Gemeinsam wird entschieden, was nach dem Mittagessen passiert.

Lüdenscheid - Das könnte ein spannendes Jahr werden in den Lüdenscheider Kindergärten; für die Kinder selbst, für Eltern, besonders aber für Erzieherinnen und die Kita-Träger. Mehr Demokratie wagen steht auf dem Programm. Die Beteiligung von Kindern wird Pflicht.

Es ist neben dem leidigen Dauerthema der Platzversorgung die derzeit größte Baustelle im Kita-Bereich. Bis zum Jahresende sollen nach Beschlusslage der Landesjugendämter die Einrichtungen Beteiligungsformen für Kinder in ihren Konzeptionen verankert haben. Mit dieser Fristsetzung „kommt da eine völlig neue Dynamik rein“, schaut Ursula Speckenbach, Abteilungsleiterin für die neun städtischen Kitas, auf das neue Jahr. Denn: „Es geht nicht nur um Fischstäbchen oder Nudeln mit Tomatensoße“, sagt sie, sondern um möglichst alle Belange des Kita-Betriebs und im Grundsatz um Kinderrechte. Die so genannte Partizipation wird künftig Bestandteil der Betriebserlaubnis einer Einrichtung.

Völliges Neuland betreten die Erzieherinnen eigentlich mit den neuen Maßgaben nicht. Kinderschutz- und Kinderbildungsgesetz setzen schon länger den Rahmen für eine Beteiligung. Doch bei der konkreten Ausgestaltung wird es interessant. Kinderbeschwerden sollen Gehör finden und ernstgenommen werden -- „aber was gilt bei den ganz Kleinen als Beteiligung“, fragt Ursula Speckenbach im Vorfeld der kommenden Termine mit den Kita-Leiterinnen. Hinzu kommt, dass auch die Eltern mitgenommen werden müssen: „Teilhabe kann nicht allein Aufgabe der Kitas sein.“

Andererseits verströmt die Abteilungsleiterin auch ein gesundes Selbstbewusstsein. „Es ist ja nicht so, dass wir die Kinder bisher gar nicht beteiligt hätten. Wir müssen jetzt sehen, welche Verfahren existieren bereits und wie bekommen wir sie in die Konzeptionen?“ Einheitsregelungen per Dekret von oben vorzugeben, lehnt sie ab. Damit könne man das Verfahren vielleicht beschleunigen. Kindern, Eltern und Erzieherinnen in der bunten Kindergartenlandschaft werde man damit aber nicht gerecht.

Aus pädagogischer Sicht wartet jedenfalls eine interessante Aufgabe. „Viele Freiräume, die Kinder früher hatten, sind nicht mehr vorhanden“, doch auf der anderen Seite erwarte man, dass Kinder ihr Leben meistern und Entscheidungen treffen. Doch dem gegenüber stehe die Frage, „wann überfordern wir Kinder?“ Und in diesem Sinne werde es auch weiter Leitplanken und Orientierung in den Einrichtungen geben.

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