Prozess am Landgericht

Teilgeständnis nach Brandstiftungen in Lüdenscheid und Hagen

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Lüdenscheid/Hagen - Zwei Brände mit einem Gesamtschaden von 140.000 Euro soll ein 41-jähriger Beschuldigter in Lüdenscheid und Hagen gelegt haben. Seit Dienstag muss sich der Mann vor der 4. großen Strafkammer des Landgerichts wegen zweifacher vorsätzlicher Brandstiftung verantworten.

Weil er wegen einer psychischen Erkrankung und einer geistigen Minderbegabung als schuldunfähig gilt, geht es in dem Verfahren um die Frage, ob er dauerhaft in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss.

Mühsam gestaltete sich zum Auftakt des Prozesses das Gespräch zwischen dem Beschuldigten und Richterin Heike Hartmann-Garschagen. Doch die Vorsitzende der Strafkammer wollte sich offenbar Zeit nehmen für ein Gespräch mit dem Beschuldigten, dessen Handlungen die Kammer voraussichtlich noch sechs weitere Verhandlungstage beschäftigen werden.

Tüte mit Einkäufen angezündet

Ja, er habe eine Tüte mit Einkäufen in Brand gesetzt, bestätigte der Angeklagte die zweite Brandstiftung am 1. Juni in einer Wohnung in Hagen. In diese Wohnung hatte ihn sein Betreuer gebracht, nachdem sein Mandant nicht mehr in seiner Wohnung an der Elsa-Brändström-Straße in Lüdenscheid hatte bleiben können. Bei den polizeilichen Vernehmungen hatte der 41-Jährige auch die Brandstiftung in diesem Mehrfamilienhaus am 23. Januar 2015 gestanden. Vor Gericht zog er dieses Geständnis aber am Dienstag zurück: „Ich habe die Tür aufgemacht und gesehen – da brennt eine Tüte.“ Laut Anklage soll der 41-Jährige diese Tüte aber selber in Brand gesteckt haben. Als Täterin brachte der Beschuldigte „eine Geisteskranke im Haus“ ins Spiel. „Ich kann die Frau nicht leiden.“

Anlass für beide Brandstiftungen soll jeweils sein Unmut über Dreck gewesen sein. Im Dachgeschoss des Hauses an der Elsa-Brandström-Straße befand sich der Dreck angeblich im Dachgeschoss, in Hagen in der Wohnung selber, die dem 41-Jährigen nicht passte. Mit Blick auf die eingeräumte Brandstiftung testete die Vorsitzende Richterin die moralischen Fähigkeiten und das Einfühlungsvermögen des Beschuldigten: „Was haben Sie sich gedacht, als Sie die Tüte angezündet haben? Da sind doch andere Menschen, die verbrannt wären, die tot wären, weil Sie eine saubere Wohnung wollen?“ Der Angeklagte äußerte sich nicht. Durch glückliche Umstände war bei den Bränden niemand zu Schaden gekommen.

Heimaufhalte statt Familienleben

Ein Vater, der ihn „doch nur durch die Kneipen gezogen“ habe, Heimaufenthalte statt Familienleben: Ein Blick auf das Leben des 41-Jährigen gab einen ersten Hinweis auf die Herkunft massiver psychischer Störungen. Schon in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Marsberg zündete er erstmals eine Matratze an: „Ich wollte zurück zu meinem Papa.“

Der Prozess wird am 2. November fortgesetzt.

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