Teil-Aufenthaltsverbot

Neues Obdachlosen-Konzept der Stadt Lüdenscheid

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Neue Wege gehen: In der Obdachlosen-Unterkunft an der Leifringhauser Straße sollen künftig andere Regeln gelten.

Lüdenscheid - Obdachlose, womöglich noch gesundheitlich angeschlagen, bei Schnee und Eis vor die Tür setzen – dieses Szenarium soll es in Lüdenscheid auch künftig nicht gegeben.

Dennoch: Die Lüdenscheider Stadtverwaltung will ihr Obdachlosen-Konzept für die Unterkunft an der Leifringhauser Straße reformieren. In seiner ersten Sitzung in diesem Jahr beschäftigte sich nun der Sozial- und Seniorenausschuss mit dem Thema – und zeigte sich dabei fast einmütig angetan von dem Vorstoß. Der Plan muss den Stadtrat nicht mehr passieren. 

Mit den Vorbereitungen für die Umstellung kann daher schon in den nächsten Tagen begonnen werden. Das teilte Axel Schwabecher vom Fachdienst Öffentliche Sicherheit und Ordnung im LN-Gespräch mit. Schwabecher war es auch, der dem Ausschuss das Vorhaben erklärte. Danach ergibt sich folgendes Bild: In den drei Gebäuden an der Leifringhauser Straße ist Platz für 60 Obdachlose. Gut 40 Personen nutzen die Unterkunft derzeit. 

Regelmäßige Probleme in der Unterkunft

Laut Schwabecher gibt es regelmäßig Probleme durch Vandalismus, Verschmutzung und Hygienemangel. Sanktionsmöglichkeiten bestünden in der Praxis kaum. Eine andere Beobachtung: Nicht wenige Obdachlose nutzen die Unterkunft als feste Wohnung – obwohl sie Chancen hätten, sich eigene vier Wände zu suchen. Eine Zweckentfremdung, finden die Verwalter. Genau hier setzt die Reform an. So sollen die Häuser Schwabecher zufolge künftig eine Kombination aus „reiner Übernachtungsstelle und Dauerwohnstelle“ darstellen. Dafür sind Umbauarbeiten im Erdgeschoss eines Gebäudes nötig. 

Personalkosten werden steigen

Die Personalkosten für den Hausmeister und den städtischen Ordnungsdienst werden sich erhöhen. Die genaue Summe ist noch unklar. Frauen, ältere Obdachlose und andere Schutzbedürftige dürfen sich, so Schwabecher, auch in Zukunft dauerhaft in den Häusern aufhalten. Obdachlose in besserer Verfassung und mit günstigeren Perspektiven aber sollen die Unterkunft fortan von 8 bis 14 Uhr – also sechs Stunden lang – verlassen müssen. Sie können diese Zeitspanne, so der Plan, für Behördengänge, den Besuch von Beratungsstellen und für die Wohnungssuche nutzen. 

So rigide wie etwa in Dortmund soll das Aufenthaltsverbot dabei nicht gehandhabt werden. Schwabecher: „Es kommt immer auch auf die Situation an.“ An den Wochenenden sollen weiterhin alle Obdachlosen in der Unterkunft bleiben dürfen.

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