Taxi-Zentrale: Ärger um Transportscheine

LÜDENSCHEID ▪ Der Unmut in der Taxi-Funk-Zentrale wächst. Immer häufiger, berichtet Vorsitzender Eugen Czerny, haben seine Kollegen Probleme, sogenannte Transportscheine von niedergelassenen Ärzten mit den Krankenkassen abzurechnen. Grund ist eine gesetzliche Vorgabe, die den Patienten zwingt, jede einzelne Tour bereits vor dem Arztbesuch und vor Fahrtantritt von den Krankenkassen genehmigen zu lassen. Tut er das nicht, bleibt der Taxifahrer allzu oft auf den Kosten sitzen.

Während Eugen Czerny angesichts der Unsicherheiten „gar keine Krankenfahrten mehr annimmt“, wie er sagt, ist sein Kollege Jens Manegold darauf angewiesen. „Transportscheine machen 70 Prozent meiner Umsätze aus.“ Doch müsse sich „dringend was ändern“, fordert der Taxifahrer. „So kann es nicht weitergehen!“ Manegolds Kollege Nabil Khemiri vermutet sogar ein bewusst gesteuertes System hinter den Bestimmungen. „Die wollen die bürokratischen Hürden noch höher legen, damit man schließlich aufgibt und nur noch privat abrechnet. So senken die Kassen ihre Kosten.“

Peter Felsberg, Chef der Abteilung Vertragspartner-Service bei der AOK, beruft sich auf die Gesetzgebung. „Wenn der Arzt einen Transportschein ausstellt, muss er zwingend dessen medizinische Notwendigkeit belegen.“ Im Zweifel müsse ein Arzt die Verordnung auch ändern, so der AOK-Mann. Und im Streitfall müsse der Medizinische Dienst der Krankenkassen per Gutachten im Nachhinein klären, ob eine Taxifahrt von der Kasse bezahlt werden muss oder nicht.

Die Taxifahrer haben ganz andere Sorgen. Denn ob ein Arzt einen Transportschein zu Recht ausgestellt hat oder nicht, „das können wir doch gar nicht beurteilen“, sagt Jens Manegold. Und wenn ein Patient einen Tag vor dem Arztbesuch einen Transportschein ordert, ihn dort abholt und dann zur Krankenkasse fährt, um ihn sich genehmigen zu lassen – „wer bezahlt denn diese Fahrt?“, so Nabil Khemiri. Eugen Czerny: „Die Kassen wollen sparen; den Ärzten ist egal, ob sie einen Transportschein zu Recht ausgestellt haben; und wir Taxifahrer haben die Probleme mit der Abrechnung.“ Dem hält Peter Felsberg entgegen, dass es schon erleichternd sei, wenn die Fahrer ihre Transportscheine täglich zur AOK brächten „und nicht einmal im Monat mit einem ganzen Bündel hier auftauchen“.

Beim Verband des privaten gewerblichen Straßenpersonenverkehrs in Dortmund ist das Problem erkannt. Geschäftsführer Friedhelm Herwig berichtet von Gesprächen mit der AOK. „Es soll geprüft werden, wie das Genehmigungsverfahren für alle Beteiligten vereinfacht werden kann.“ Schließlich sei die Belastung der Mitarbeiter der Krankenkassen auch sehr hoch.

Olaf Moos

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