"Das ist schon extrem"

Tausende suchen Erfrischung am Nattenberg

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LÜDENSCHEID - Endlich Sommer, endlich Hitze: Am Wochenende schaufelte Wetterhoch Achim heiße Wüstenluft nach Lüdenscheid. Die Betreiber des Familienbades am Nattenberg wird es gefreut haben.

Am Sonntag waren die Liegewiesen und Wasserbecken bei den Besuchern extrem beliebt. Schon am Vormittag sind die Parkplätze rund um das Familienbad voll belegt. Auch entlang der Talstraße stehen die Fahrzeuge dicht aufgereiht. Das Thermometer hat die Marke von 30 Grad bereits überschritten. An der Kasse reißt die Schlange über den Tag hinweg kaum ab. Lange Zeit staut sich der Besucherstrom bis zur Eingangstür. Gegen 14 Uhr haben bereits über 2500 sonnenhungrige Wasserratten die Drehkreuze in Richtung Liegewiese passiert. Am Ende des Tages werden es weit über 3000 Personen gewesen sein.

„In den Sommermonaten haben wir im Durchschnitt 25.000 Besucher“, sagt Bäderchef Friedrich Schmidt-Werthmann. Durch die Kombination von Hallen- und Freibad sei der Lüdenscheider Betrieb auch nicht so wetterabhängig, wie andere Freibäder, die sich komplett auf die äußeren Bedingungen verlassen müssten. „Daher hatten wir nicht diese eklatanten Einbrüche am Anfang der Saison“, so Schmidt-Werthmann. In der Tat wurden selbst am frühen Nachmittag bei einer Außentemperatur von 35 Grad die überdachten Schwimmbecken gut angenommen.

Auf den weitläufigen Liegewiesen haben es sich die zahlreichen Freibadbesucher in der Zwischenzeit gemütlich gemacht. Ausgebreitete Badetücher legen sich wie ein großer Flickenteppich über die Grünfläche. Hier und da sind aber auch Sonnenschirme und Zeltdächer zu finden, die vor der intensiven UV-Strahlung schützen sollen. Wer einfach nur in der Sonne liegen und entspannen will, findet hierfür ein ruhiges Plätzchen.

Freibad am Nattenberg

Auch alle Sportbegeisterten kommen nicht zu kurz. Das Freigelände bietet ein Feld für Beachvolleyball und mehrere Tischtennisplatten als Alternative an. Hier und da sieht sich eine Gruppe junger Männer zu spontanen Tanz- oder Turnübungen veranlasst. Für das Foto darf es auch gerne mal ein Rückwärtssalto sein. Es wird gelesen, ein großes Picknick ausgebreitet oder aber die tragbare Spielkonsole ausgepackt. Der eigenen Freizeitgestaltung sind fast keine Grenzen gesetzt.

Allerdings gilt im Wasser der Grundsatz der gegenseitigen Rücksichtnahme. Sandra Rothämel ist als Teil eines mehrköpfigen Teams dafür zuständig, dass niemand über die Stränge schlägt. „Die typischen Einsatzgebiete sind Wespenstiche und Schürfwunden, die mit Pflastern und Kühlakkus behandelt werden“. Wer sich auf das Fünf- oder Zehnmeterbrett traut, wird besonders beäugt. „Aber in der Regel sind das schon die erfahrenen Springer“, so die Fachangestellte.

Die Hitze des Wochenendes scheint sich nicht auf den Hunger der Freibadbesucher ausgewirkt zu haben. Vor dem Kiosk von Wolfgang Schultheis bilden sich ebenso lange Schlangen, wie vor dem Kassenhäuschen am Eingang. „Ich betreibe jetzt seit 19 Jahren das Restaurant am Nattenberg, aber so etwas habe ich noch nie erlebt. Das ist schon extrem“, sagt der Gastronom. Am Samstag musste Wolfgang Schultheis 500 Flaschen Cola nachfüllen. „Und heute wird mir sicherlich das Eis ausgehen“.

An einem Tag gehen rund 1000 Portionen Pommes Frites und Currywurst über die Ladentheke. Vier Mitarbeiter sind allein mit Aufräumen, Nachfüllen, Zubereiten und Verkaufen beschäftigt. Die Arbeit in der kleinen Küche ist noch schweißtreibender, als ein Sonnenbad im Freien. Die Fritteuse bringt es auf Temperaturen von über 45 Grad. Jede Stunde findet aus diesem Grund ein Wechsel statt. „Das kann man keinem länger zumuten.“

Obwohl der Sommer in diesem Jahr erst sehr spät zur Hochform aufgelaufen ist, zeigen sich Schultheis und die Badbetreiber mit dem bisherigen Geschäft zufrieden.

Jari Wieschmann

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