Taubstummen-Paten schenken Hoffnung

Am Speiseplan merken die Kinder direkt, dass die Spenden zurückgehen: Es fehlt Geld für Obst und Joghurt.

LÜDENSCHEID ▪ Es geht um „die kleinen Wünsche und die großen Sehnsüchte“, es geht ums tägliche Brot und um Hoffnung im Leben. Seit mehr als 20 Jahren schon. So lange unterstützen Paten auch aus Lüdenscheid ein Projekt, das anfangs angesichts des Umfangs alle Beteiligten hoffnungslos zu überfordern schien.

Doch das Gemeinschaftswerk, taubstummen Kindern in Hermannstadt zunächst ein lebenswertes Umfeld und dann eine Perspektive zu geben, gelang.

Auf Initiative der Siegenerin Antje Schmidt-Classen fand sich 1990 ein Kern zusammen, der Know-how bündelte, Geld und Sachspenden sammelte, Firmen, weltliche und kirchliche Hilfsorganisationen als Unterstützer auf Zeit gewinnen konnte – und so aus einer heruntergekommenen Verwahranstalt für behinderte Kinder ein Heim machte. Immer wieder unterstützt auch durch engagierte Lüdenscheider, sorgte die Vereinsvorsitzende dafür, dass das Geld tatsächlich dort ankam, wo es seinen Zweck erfüllen sollte – keine Selbstverständlichkeit.

Aber selbstverständlich ist ohnehin nichts in der uneigennützigen Arbeit zum Wohle anderer. „Der Patenverein hat inzwischen viele Mitglieder verloren, die dem Verein vor mehr als 20 Jahren beigetreten sind und sich nun im Rentenalter befinden oder bereits verstorben sind“, schreibt die Vorsitzende in ihrem Weihnachtsrundbrief an die Paten. Mit spürbaren Folgen für die Kinder: „So sehen wir uns leider nicht mehr in der Lage, den lange gewährten Essenszuschuss in Form von Obst und Joghurt zu finanzieren.“ Deshalb ist es für den Patenverein auch überlebenswichtig, neue Unterstützer zu gewinnen.

Was man bewirken kann, wenn man an einem Strang zieht, zeigt das Beispiel des Taubstummenheims. Es sei mittlerweile das beste dieser Art in ganz Rumänien, samt angegliederter Schule und eines Kindergartens. Die Kinder leben in dem Heim, werden mit Hörgeräten versorgt, werden unterrichtet und auf das Berufsleben vorbereitet. An allen Ecken und Enden werden die Helfer gebraucht. So haben sie zuletzt 100 wasserdicht Moltonauflagen für die Kinder gekauft, unterstützt durch ein Bettengeschäft. Aus einer Trauerspende konnte man Mal- und Zeichenmaterial anschaffen, wodurch sich die taubstummen Kinder ihre Welt mit Bildern erschließen können. Die Kinder brauchen spezielles Lernmaterial, die Industriewaschmaschinen und Staubsauger sind reparaturanfällig, im Gebäude müssen Teppichböden ausgetauscht werden, im Otoplastiklabor gibt es Engpässe bei der Hörgerätebatterie-Versorgung. Das wiederum führe dazu, dass die Kinder tagelang auf ihre Hörgeräte verzichten müssten.

Es sei eine Daueraufgabe, heißt es. Und man bemühe sich nach Kräften, „im Rahmen der verbliebenen Möglichkeiten weiterhin die so wichtige Hilfe für unsere Schutzbefohlenen zu leisten“. Wer sich über die Arbeit, die Aufgaben, die Herausforderungen informieren möchte, denen sich der Patenverein gegenübersieht, kurzum, wer helfen möchte, kann sich in Lüdenscheid an Christa Hoffmeister, Telefon 0 23 51 /9 63 00 5, wenden.

Spendenkonto der „Paten des Taubstummenheims Hermannstadt (Rumänien) e.V.“: Sparkasse Lüdenscheid, BLZ 458 500 05, Konto-Nr. 12 11 11

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