Und tatsächlich ist der Porsche verschwunden

LÜDENSCHEID ▪ Ach, wie gerne hätte er dazugehört. Aber sie haben ihn nur benutzt – „und am langen Arm verhungern lassen“, wie ein Kripo-Mann im Zeugenstand sagt. Die Geschäfte und das Geld machten andere. Der junge „Hartzer“ aus Lüdenscheid war nur dazu gut, seine Garage zur Verfügung zu stellen. Für einen „schwarzen Blitz“. Einen Porsche Cayenne Turbo mit fast fünf Litern Hubraum und 500 PS, 120 000 Euro teuer. Monatelang stand der Luxusschlitten bei ihm zu Hause, und die Nachbarn wunderten sich.

Für seinen Auftritt vor Gericht hat sich der 27-Jährige schick angezogen. Der Haarschnitt ist adrett, die Haut ist gebräunt, ein Kaugummi hält den Kiefer in Bewegung. Strafverteidiger Heiko Kölz gibt sich mal wieder störrisch. Die Vorwürfe seien unbegründet. Fragen würden nicht beantwortet. Garage ja, teures Auto auch ja, aber die Hintergründe seien seinem Mandanten „gänzlich unbekannt gewesen“, so der Rechtsanwalt.

Die Hintergründe stehen in der Anklageschrift. Demnach hat sich ein Mann aus dem Ruhrgebiet einen Cayenne geleast und schnell festgestellt: Ich kann mir die Raten nicht leisten. Ein Kumpel bietet an, „die Karre“ verschwinden zu lassen. Und schließlich, am Abend des 16. Juni 2008, ist sie tatsächlich weg.

Die Polizei wird benachrichtigt, die Versicherung sofort danach, alles sieht nach einem normalen Autodiebstahl aus. Aber eine Hauptkommissarin aus Dortmund schöpft Verdacht. Der Tatort sei gut besucht gewesen an diesem Abend. „Man braucht Vorkenntnisse, Gerätschaften und Zeit“, um solch eine Karosse zu knacken, sagt sie zu Amtsrichter Thomas Kabus. Vier Wochen später verschwindet wieder ein Cayenne, wieder wegen zu hoher Leasing-Raten, diesmal in Schwelm. Und welch ein Zufall: Die beiden angeblich Bestohlenen kennen sich.

Und sie haben offenbar einen gemeinsamen Bekannten. Der ruft unter dem Namen „Uwe“ einen Detektiv in Holzwickede an, der für die Versicherung des Dortmunder Porsche-Fans ermittelt – und gibt sich als „Mittäter“ aus. 12 000 Euro will er für einen Umschlag voller Informationen haben. Er erzählt von einer Porsche-Werkstatt in Essen, wo sich „tätowierte Bodybuilder mit Knasterfahrung“ treffen, geklaute Edelautos aufbereiten und nach Litauen verschieben.

Oder in Lüdenscheid zwischenlagern. Das kleinste Licht der Bande fliegt am schnellsten auf. Die Polizei hört Telefonate ab, findet den „heißen“ Wagen am Freisenberg, ermittelt Tatbeteiligte. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen 16 Männer. Einer der Porsche-Fans verklagt die Versicherung sogar noch auf Schadensregulierung, die anderen warten still auf ihren Prozess.

Das Urteil gegen den jungen Lüdenscheider ergeht wegen Beihilfe zum versuchten Betrug: sechs Monate mit Bewährung.

Olaf Moos

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