Rolle als FKK-Club-Besitzerin

Lüdenscheiderin lässt im Tatort die Hüllen fallen

Michelle Monballijn

Lüdenscheid - Eine Lüdenscheiderin spielt im „Tatort“. Als verdächtige Mitarbeiterin in einem FKK-Club lässt Schauspielerin Michelle Monballijn alle Hüllen fallen. Ausgestrahlt wird der „Tatort Weimar“ am Neujahrsabend um 20.15 Uhr in der ARD.

Von Susanne Fischer-Bolz

Die Lebensgefährtin von Joachim Masannek, Autor von „Die wilden Kerle“, spielt ihre Rolle buchstäblich mit Haut und Haar – und ist dabei völlig unverkrampft. Dass ihr aber aufgrund der Nacktheit etwas mulmig ist, erzählt sie im Interview.

Sie spielen die Peggy Schuhschnabel im neuen „Tatort Weimar.“ Es ist aber nicht die Leiche, nein?

Michelle Monballijn: (lacht). Nein, es ist nicht die Leiche. Sie ist sogar sehr lebendig. Vielleicht zu lebendig (lacht).

Ist es ein Ritterschlag für eine junge Schauspielerin, beim „Tatort“ mitzuspielen?

Michelle Monballijn: Absolut. Das war sogar mein großes Ziel, was witzigerweise in Erfüllung gegangen ist. Ich habe mir echt am Anfang des Jahres gesagt: 'So, nun hast du im Kinofilm mitgespielt, jetzt wäre doch der Tatort angesagt.’ Und dann kam die Rolle.

Wie kam es denn dazu?

Michelle Monballijn: Ich war gerade für ein Studentenfilm am Drehort und meine Agentur schickte eine E-Mail mit dem Inhalt: 'Du, wir haben eine Anfrage. Das Profil passt total zu dir. Aber, die ist nicht immer ganz angezogen.' Oje, dachte ich. Das kann nicht ernst gemeint sein. Mir kam sofort meine Oma in den Kopf. Die guckt immer Krimis. Und ich bin strenggläubig erzogen worden. Meine Großtante ist Nonne gewesen. Das ist mir alles durch den Kopf geschossen. Aber meine Agentur konnte mich überzeugen, dass es eine anspruchsvolle Rolle ist, und ich habe mich dann für das Casting angemeldet. Ja, und irgendwann kam der Anruf, dass ich unter den besten Fünf bin.

Der „Tatort“ aus Weimar wird am Neujahrstag um 20.15 Uhr in der ARD gezeigt. Nora Tschirner und Christian Ulmen gehen im „Tatort – Der irre Iwan“ auf Verbrecherjagd, diesmal auf dem Rummelplatz und im Rotlichtmilieu. Bei einem Raubüberfall auf die Stadtkämmerei wird die Chefsekretärin Sylvia Kleinert von einem maskierten Täter erschossen.

Und ich dachte: Ups. Schließlich stand es irgendwann fest. Meine Bruder war witzigerweise in München. Ich habe ihm davon erzählt und er fand es gar nicht schlimm. Ich habe wirklich gedacht: Oh Gott, wie reagiert mein Umfeld? Aber alle finden es eher cool, dass ich beim „Tatort“ mitmache. Ich bin normalerweise nicht so freizügig. Ich hatte eine Zeitlang sogar Probleme, in die Sauna zu gehen. Als Schauspielerin sollte man aber seine Blockaden lösen. Die Rolle war so eine Bereicherung, eine Erfahrung. Ich bereue das nicht. Ich habe Respekt davor, wie die Medien reagieren. Ich hätte auch nie damit gerechnet, dass es so ein Aufsehen erregt.

Erzählen Sie mal von der Rolle. Wer ist denn die Peggy Schuhschnabel?

Michelle Monballijn: Die Peggy Schnuhschnabel ist im Saunaclub. Im Osten gibt es solche FKK-Clubs, wo sich viele Anhänger treffen. Es ist nichts Besonderes. Ich bin da die Besitzerin. Sie hat so eine Leichtigkeit. Ich spiele so, als wäre ich angezogen. Diese Nacktheit ist für mich irgendwie ein Kostüm gewesen.

Sind Sie die ganze Zeit nackt?

Michelle Monballijn: Nein. In der Schlüsselszene, wenn herauskommt, dass ich mit verdächtig bin, dann bin ich angezogen. Wie es ausgeht, darf ich nicht sagen. Immer, wenn ich im Club bin, bin ich nackt. Aber sonst bin ich angezogen.

Ist der „Irre Ivan“, so heißt der „Tatort“, tatsächlich irre?

Michelle Monballijn: Der Ort ist schon irre (lacht). Aber ich darf das so noch nicht verraten. Der Titel passt.

Wie haben Sie die Dreharbeiten erlebt?

Michelle Monballijn: Das war super. Der Regisseur Richard Huber ist großartig. Die Schauspieler sind irgendwie seine Schäfchen. Es ist ihm ganz wichtig, dass sich alle wohlfühlen am Set. Und wenn der Regisseur so etwas ausstrahlt, dann überträgt sich das auf das ganze Team. Und so war das auch. Der Kabelträger, der Kameramann, die, die die Klappe geschlagen hat: Einfach alle waren entspannt und respektvoll miteinander. Alle haben auch mir eine große Ruhe vermittelt, haben geschaut, dass ich einen Bademantel habe. Das hat mir für die Herausforderung ein großes Stück gebracht.

Wir Frauen haben ja immer irgendetwas an uns herumzumäkeln. Der Bauch ist zu dick, die Beine zu schwabbelig. Ist so etwas im Kopf, wenn man sich nackt zeigen muss?

Michelle Monballijn: Ja, das hat man natürlich schon. Ich habe Respekt davor, was die anderen wohl sagen. Ich weiß nicht, wie die Außenwelt mich wahrnimmt. Man selber hat ja eine andere Wahrnehmung. Ich denke, dass ich mich jetzt auf einiges einstellen muss, auf Feedback. Bis jetzt hatte ich mit den Medien ja nicht so viel zu tun. Ich habe schon ein bisschen Angst davor und bin aufgeregt. Ich selber fühle mich eigentlich in meinem Körper wohl, weil ich schon immer Sport gemacht habe.

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In der Schwangerschaft habe ich mit Yoga angefangen. Das kann ich jeder Frau nur empfehlen. Ich habe dadurch noch einmal eine ganz andere Körperhaltung und Körperlichkeit bekommen. Ich hatte das zuvor unterschätzt. Yoga verändert den Körper. Es geht tiefer und die Muskulatur wird noch einmal anders geformt. Ich hatte früher ganz maskuline Beine. Das mochte ich an mir gar nicht. Aber das hat sich verändert.

Wenn man als Schauspielerin die Hüllen fallenlässt, könnte es dann schwieriger werden, andere Rollen zu bekommen?

Michelle Monballijn: Ich könnte mir schon denken, dass man in eine Schublade gesteckt wird. Ich glaube, dass jeder Schauspieler damit zu kämpfen hat, denn man wird immer in eine Schublade gesteckt. Aber ich finde das erst einmal gar nicht schlimm. Es ist vielleicht auch ein Türöffner. Und ich habe ja auch schon wieder Angebote, die ganz anders sind. Ich bin erst einmal dankbar, dass ich beim „Tatort“ mitspielen durfte. Ich gönne es allen, die da mitgemacht haben, dass da ganz, ganz viele Leute einschalten. Und dass es dann für Weimar auch weitergeht. Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht, was auf mich zukommt. Ich denke auch immer Step for Step.

Was war denn bis jetzt Ihre liebste Rolle im Film oder auf der Bühne?

Michelle Monballijn: Ich habe jetzt gerade ein Theaterstück, die „Phädra“, gespielt. Und das war bis jetzt meine Lieblingsrolle. Die Phädra wurde sehr emotional angelegt. Und ich hatte mir immer gewünscht, eine Rolle zu spielen, die sehr außergewöhnlich ist. Ich wurde kurzfristig eingesetzt und hatte nur sechs Wochen Zeit, die Rolle vorzubereiten und mir die Sprache anzueignen. Das hat in der Umsetzung so gut funktioniert, dass ich auch wirklich stolz auf mich war. Das war eine absolute Herausforderung mit unglaublich viel Text. Ich musste alles auspacken auf der Bühne: Ich habe Heulkrämpfe gehabt – und Schreikrämpfe. Da bin ich an meine Grenzen gegangen.

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