Vor der Tarifrunde 2021

Mehr Gehalt trotz Corona? Arbeitgeber sehen Jobs im MK in Gefahr

Eine Brieftasche mit ein paar Geldscheinen.
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Vier Prozent mehr Gehalt fordert die IG Metall.

Als „nicht nachvollziehbar und wirklichkeitsfremd“ bezeichnen die Metallarbeitgeber in Lüdenscheid und dem südlichen Märkischen Kreis die Forderungen, mit denen die IG Metall in die Tarifrunde 2021 geht.

Lüdenscheid - Vor der Mitte Dezember beginnenden Tarifrunde der Metall- und Elektro-Industrie hat die Gewerkschaft Einkommensverbesserungen in einem Volumen von vier Prozent für die Beschäftigten gefordert. Eine Forderung, die aus Sicht des Arbeitgeberverbandes der Metall- und Elektro-Industrie Lüdenscheid (AGV) nicht akzeptabel ist.

In einer Pressemitteilung des Verbandes heißt es dazu, diese Forderungen passten nicht zur schwierigen wirtschaftliche Lage in den Unternehmen. „Wenn die Betriebe jetzt zusätzliche Arbeitskosten-Lasten befürchten müssen, wird das den Druck auf die Arbeitsplätze massiv erhöhen“, wird AGV-Vorsitzender Dr. Frank Hoffmeister zitiert.

Die Sicherung von Arbeitsplätzen müsse das gemeinsame vorrangige Ziel von Arbeitgebern und Gewerkschaften sein, erklärte auf Nachfrage auch AGV-Geschäftsführer Christian Lepping. Selbst ohne die zusätzliche Belastung einer Tariferhöhung sei zu befürchten, dass im weiteren Verlauf der Pandemie nicht alle Arbeitsplätze in der Region erhalten werden können.

Hoffmeister erläutert, dass sich Aufträge, Produktion und Umsätze vielerorts seit vielen Monaten im zweistelligen Minusbereich bewegten, zahlreiche Unternehmen befänden sich in Kurzarbeit. Seit dem Frühjahr 2020 habe sich die Lage in vielen Unternehmen zugespitzt. Viele hätten massiv Eigenkapital verloren und kämpften mit Liquiditätsengpässen.

AGV sieht Aufholprozess gefährdet

Auch wenn das dritte Quartal in mehreren Branchen der Metall- und Elektro-Industrie wieder freundlicher aussehe, würde eine teure Tarifrunde den Aufholprozess gefährden. Zumal Vorhersagen für die nächsten Monate schwierig seien: „Nach wie vor herrscht in den meisten Unternehmen eine große Unsicherheit über die wirtschaftlichen Aussichten in 2021“, betont Hoffmeister. Die ungewisse Entwicklung der Pandemie sowie zahlreiche weltwirtschaftliche Risikofaktoren ließen gegenwärtig keine verlässlichen Prognosen zu. Der AGV fordert daher, dass der nächste Tarifabschluss der Situation in den Mitgliedsunternehmen Rechnung tragen müsse.

Hinzu komme, dass die Branche nicht nur unter den Folgen der Pandemie leide. Der Wandel im Automotive-Sektor und die Anforderungen der Digitalisierung stellen viele Betriebe auch in Lüdenscheid und dem südlichen Märkischen Kreis nicht erst seit diesem Jahr vor große Herausforderungen.

Eine klare Absage erteilte Hoffmeister der Aussage der Gewerkschaft, Einkommenssteigerungen seien aus Gründen der Stabilisierung der Kaufkraft notwendig. Der Durchschnittsverdienst in der Metall- und Elektro-Industrie liege in Nordrhein-Westfalen bei 56 000 Euro im Jahr. Damit mangele es den Beschäftigten der Branche nicht an Kaufkraft, ist der AGV-Vorsitzende überzeugt. „Wir haben aber ein Konsumproblem, weil sich viele Menschen Sorge um ihren Arbeitsplatz machen und deshalb ihr Geld lieber zurücklegen. Unsere Mitarbeiter haben doch auch ein feines Gespür dafür, ob im Unternehmen etwas zu tun ist oder nicht“, sagte Dr. Hoffmeister.

Ein sicherer Arbeitsplatz stehe sicher ganz oben auf der Prioritätenliste. Zusätzliche Belastungen bei den Arbeitskosten aber würden die Beschäftigungssituation in vielen Betrieben eher verschärfen. Überdies sei die Forderung der IG Metall ökonomisch nicht begründbar: Produktivität und Teuerungsrate bewegten sich aktuell im Minusbereich, argumentiert der AGV. „Das ist reine Umverteilung in einer Zeit, in der Unternehmen ihr Geld zusammenhalten müssen, um auch Zukunftsinvestitionen umzusetzen“, erklärte Dr. Hoffmeister.

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