Bundesstiftung zieht 100 000 Euro zurück

Kein Geld für Lüdenscheid

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Die Förderung war gekoppelt an eine Zusammenarbeit mit Sebastian Schulz und Verena Billinger, hier mit Kulturhausleiterin Rebecca Egeling (Mitte).

Lüdenscheid - „100.000 Euro für Lüdenscheid“ titelte unsere Zeitung am 13. Oktober 2017 im Anschluss an die Kulturausschusssitzung im Oktober letzten Jahres. Im Rahmen der Sitzung hatte Kulturhausleiterin Rebecca Egeling die Ausschussmitglieder darüber informiert, dass die Kulturstiftung „Tanzland“ des Bundes in den folgenden drei Jahren 100 .000 Euro für eine Kooperation mit dem Tanztheater-Duo Billinger und Schulz nach Lüdenscheid schickt. Zeitgenössische Positionen im Lüdenscheider Kulturhaus – und Geld, das nicht in unserer Stadt anlanden wird.

Der Grund: Verena Billinger und Sebastian Schulz, die sich bereits im Rahmen des regulären Kulturhausprogramms in einer Gesprächsrunde vorstellten und mit „Romantic Afternoon“ ihre Visitenkarten abgaben, können die Zusammenarbeit in Absprache mit „Tanzland“ und der Kulturhausleitung nicht weiterführen.

In einem Schriftstück der Bundesstiftung, das den LN vorliegt, heißt es „...wir haben über verschiedene Möglichkeiten nachgedacht, eure begonnene Tanzland-Kooperation weiterzuführen – doch letztlich scheint diese Weiterführung nicht möglich zu sein (…) es ist eine große Aufgabe, neue Bühnen- und Vermittlungskonzepte zu entwickeln – und die Voraussetzungen dafür stellen sich in Lüdenscheid als sehr schwer dar (…) das Haus ist strukturell und budgetär nicht so gut aufgestellt, wie erwartet“. Der Kulturhausleitung wird daher seitens der Bundesstiftung empfohlen, das Haus gut aufzustellen und sich dann erneut um eine Förderung zu bewerben.

„Tanzland“ fördert Kooperationen für Gastspiele zur Tanzvermittlung, um das Publikum vor Ort einzuladen, zeitgenössischen Tanz neugierig und kritisch zu begleiten. Die Förderung für Lüdenscheid war zwingend an eine Zusammenarbeit mit dem Choreografen-Duo Billinger und Schulz gekoppelt.

„Die Künstler haben abgesagt, weil sie sich nicht ausreichend betreut fühlten“, kommentiert Rebecca Egeling den Rückzug der Fördermittel. Die Kulturhausleiterin führt die unzureichende Betreuung auf die nach wie vor vakante Stelle im Kulturhaus zurück. Die Stellenbeschreibung sei Ende des letzten Jahres an das Kulturmanagement geleitet worden und mit korrigierenden Hinweisen zur Überarbeitung an das Kulturhaus zurückgeschickt worden. Egeling: „Im Januar hatte ich viel Arbeit auf dem Tisch, da hat mir die Zeit und die Ruhe für eine Überarbeitung gefehlt.“

Nach einer Auszeit aufgrund einer Erkrankung und der Beschäftigung mit anderen Aufgaben habe sie dann im März die Stellenausschreibung erneut auf den Weg Richtung Kulturmanagement gebracht: „Es zeichnete sich ab, dass die Zusammenarbeit mit Billinger und Schulz nicht stemmbar ist. Wir werden die Förderung neu beantragen müssen.“

Damit wird mit aller Voraussicht nach auch die Inszenierung „Kummerkasten Menschenstadt“ nicht stattfinden. Geplant war, im Stadtzentrum eine „Meckerbox“ aufzustellen, in der Lüdenscheider Lob und Tadel über ihre Stadt, ihre persönlichen Sorgen, aber auch ihr ganz privates Glück loswerden können. Das Theaterduo hätte aus den Ergebnissen eine Inszenierung gemacht, ein Projekt, das in Städten wie Düsseldorf oder Frankfurt auf große Resonanz stößt. In Lüdenscheid wäre die Inszenierung nur mit dem Geld aus der Bundesstiftung realisierbar. Egeling: „Ich bemühe mich jetzt um Ersatz.“ Das bereits gezeigte Gastspiel „Romantic Afternoon“ im vergangenen Jahr habe außerhalb der Förderung stattgefunden.

Weder das Theater-Duo Billinger und Schulz, noch die Bundesstiftung „Tanzland“ äußerten sich auf Nachfrage der LN zu dem Rückzug aus dem Fördermittelprogramm. Kulturdezernent Thomas Ruschin kommentierte, er wisse offiziell erst seit Dienstag von der Absage der Fördermittel des Bundes. Ihm habe keine Stellungnahme der Kulturhausleitung vorgelegen: „So was gehört auf den Dienstweg.“

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