Privater Anbieter im Einsatz

An Tankstelle in Lüdenscheid: Kampfmittelräumdienst sucht nach Bomben

+
Eine private Fachfirma nahm Bohrungen vor. 

Lüdenscheid – Autofahrer, die am Freitagmorgen an der Großbaustelle in Brügge vorbeifuhren, waren möglicherweise irritiert: Ein Trupp eines privaten Kampfmittelräumdienstes ging gegenüber der Aral-Tankstelle seiner Arbeit nach.

Ein konkreter Bombenfund lag glücklicherweise nicht vor, es handelte sich um eine präventive Maßnahme im Zuge des dort geplanten Nahversorgungszentrums. Wie berichtet, sollen dort unter anderem ein Edeka-Vollsortimenter mit 1800 Quadratmetern Verkaufsfläche und ein Trinkgut-Getränkemarkt mit 750 Quadratmeter Verkaufsfläche plus Stellplätzen angesiedelt werden. Zuvor hatte bereits eine Befischung stattgefunden. 

Da vielen Bürgern nicht bewusst ist, dass es abseits der behördlichen Kampfmittelräumdienste auch entsprechende Fachfirmen der freien Wirtschaft gibt, hat die Redaktion bei der Bezirksregierung Arnsberg nachgefragt, wann diese zum Einsatz kommen. 

Grundsätzlich sei die Beseitigung von Kampfmitteln eine hoheitliche Aufgabe, erklärte Henner Sandhäger. Seine Dienststelle ist in Hagen angesiedelt, sei aber dem Innenministerium unterstellt und gehöre organisatorisch zur Bezirksregierung. 

Firmen, die wie in Lüdenscheid zum Einsatz kämen, würden von der Bezirksregierung beauftragt und kämen dort zum Einsatz, wo nach Blindgängern gesucht werde oder um bei tatsächlichen Funden die Arbeit des Kampfmittelräumdienstes zu unterstützen: „Diese Firmen können vorbereitende, begleitende oder nachbereitende Maßnahmen durchführen“, erklärt der Fachmann für Detektion und Geophysik.

Elektrofischen an der Volme 

Am Beispiel dieser Baustelle nannte er spezielle Tiefbauarbeiten. Bevor die beginnen könnten, wird eine Kriegsluftbildauswertung vorgenommen. Ergibt sich daraus ein erhöhtes Risiko, werden Sondierungsbohrungen durchgeführt. Solche Arbeiten würden dann Fachfirmen übernehmen. 

Die Erfassung und Auswertung von Messdaten sei wiederum Sache seiner Behörde. Wenn es um Entschärfung und Transport von Kampfmittelfunden geht, sei ohnehin für private Firmen Schluss. Diese Aufgaben würden ausschließlich von Dienststellen wie seiner vorgenommen. Doch auch diese sei nicht in allen Fällen zuständig. 

Eine private Fachfirma nahm Bohrungen vor. 

Vorrangig sei man spezialisiert auf Sprengmittel aus dem Zweiten Weltkrieg. Dadurch ergebe sich zwangsläufig, dass man nicht für Funde zuständig sei, die für kriminelle oder terroristische Zwecke gedacht oder geeignet seien: „Das ist dann Sache für die Kollegen der Landeskriminalämter“. 

So gebe es eine klare sachliche und fachliche Trennung. Allerdings komme es durchaus vor, dass der Kampfmittelräumdienst bei unklaren Funden ausrückt und eine erste Einschätzung vornimmt, später aber an Polizei und LKA übergibt. 

Erst vor wenigen Monaten seien bei Brückenbauarbeiten bei Hagen Sprengstoffe gefunden worden. Ein krimineller Hintergrund sei schnell ausgeschlossen worden, es habe sich offenbar um jahrzehntealte Hinterlassenschaften vom Bau der Sauerlandlinie gehandelt.

„Doch für diese Machart der explosiven Funde sind die Bombenentschärfer des LKA die richtigen Experten“, stellt Sandhäger klar. 

Die Menschen in Brügge brauchten sich erst mal keine Sorgen zu machen. Es handelte sich hier um vorsorgliche Maßnahmen. Die auf dem Gelände bislang gefundenen Gegenstände hätten sich alle als harmlos erwiesen. Nun gelte es, die umfangreichen Tiefbauarbeiten abzusichern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare